Jürgen Michael Schick – Investmentmakler

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Ich bin Makler – und das ist auch gut so!

Von Dr. Dr. Rainer Zitelmann (Auszug aus der Festschrift „Persönliche Gesichtspunkte“ zum 50. Geburtstag von Jürgen Michael Schick)

Das Motto des Maklerunternehmens Michael Schick Immobilien lautete lange Zeit: „Mehr Makler geht nicht“. Mir hat dieses Bekenntnis gefallen. Makler gehören, vorsichtig formuliert, nicht zu den beliebtesten Berufsgruppen. Ihr schlechtes Image teilen sie laut Umfragen mit Politikern, Versicherungsvertretern, Journalisten und Moderatoren. Jürgen Michael Schick hat offenbar eine Affinität zu Berufen mit zweifelhaftem Image: Er war zuerst Journalist, verdiente sein Geld dann als Radio-Moderator und schließlich als Makler. Zudem sah ich ihn vor einigen Jahren in Berlin Charlottenburg auf Wahlplakaten für die FDP. Ein Mann, der ganz offensichtlich keine Angst hat, gegen den Strom zu schwimmen.

Viele Makler reagieren auf das schlechte Image damit, dass sie sich anders nennen. Ich erinnere mich an Diskussionen mit weltweit agierenden Maklerunternehmen, den größten der Branche, die mir immer wieder wortreich versicherten, sie seien gar keine Makler, sondern Berater. Auf meine Frage, wie viel Prozent ihres Ertrages aus der Courtage von Transaktionen stamme und wie viel Prozent aus Beratung im engeren Sinne, stellte sich heraus, dass sie natürlich das meiste Geld als Makler verdienen.

Und ich erinnere mich noch an die Diskussion mit einem jungen Start-up-Unternehmen. Obwohl ich normalerweise in spätestens 30 Minuten das Geschäftsmodell eines Unternehmens verstanden habe, war ich nach dem ersten zweistündigen Gespräch mit diesem Unternehmen immer noch nicht schlauer. Ich hatte Schwierigkeiten, eine Positionierungs- und Kommunikationsstrategie zu entwerfen, weil ich einfach nicht begriffen hatte, was das Unternehmen eigentlich tut. Das Problem: Auch die meisten potenziellen Kunden verstanden es nicht. Ich kapierte es erst, als Jürgen Michael Schick mir erklärte, dass es sich im Grunde um ein Maklerunternehmen handele. Aber eben um eines, dass um jeden Preis der Welt vermeiden wollte, als Makler erkannt zu werden.

Das wiederum erinnert mich an Versicherungsvertreter, die auf ihre Visitenkarte „Finanzberater“ oder „Vermögensberater“ schreiben, weil sie fürchten, potenzielle Kunden mit der Berufsbezeichnung „Versicherungsvertreter“ zu verschrecken. Natürlich verstehe ich die Motive von Menschen, die sich eine andere Berufsbezeichnung zulegen: Wir alle wissen, dass es viele Makler und Versicherungsvertreter gibt, die dem Berufsstand keine Ehre machen. Und natürlich greifen die Medien diese negativen Beispiele heraus. Da ist es verständlich, wenn jemand zu verstehen gibt, dass er mit seinen Berufskollegen nichts zu tun haben und nicht in einen Topf mit den schwarzen Schafen geworfen werden will, die leider das Image des Berufsstandes in der medialen Wahrnehmung prägen.

Eine ähnliche Strategie des Versteckspielens konnte man oft bei rechten Politikern beobachten. Ich spreche hier nicht von Rechtsextremen, sondern von demokratischen Rechten, die sich aber scheuen, sich als „rechts“ zu bezeichnen. Dabei muss dies doch legitim sein: In einer pluralistischen, freiheitlichen Gesellschaft gibt es eine demokratische Linke, eine Mitte und eine demokratische Rechte. Oft werden jedoch heute die Begriffe „Rechts“ und „Rechtsextrem“ gleichgesetzt. So nennen sich Konzerte „Rock gegen Rechts“. nicht etwa „Rock gegen Rechtsextreme“. Weil demokratische Rechte wissen, dass der Begriff „rechts“ diskreditiert ist, nennen sie sich irgendwie anders: Konservativ, wertkonservativ, Mitte. Linke haben diese Skrupel nicht. Sie nennen sich „links“ und sehen die Bezeichnung als Ehrentitel an. Wenn linksextreme Gewalt ausüben, wie etwa bei dem G20-Gipfel 2017 in Hamburg, dann erklären uns Politiker der SPD, es handele sich hier gar nicht um Linke. Das erinnert mich an das schöne Gedicht von Christian Morgenstern, in dem es heißt: „Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf.“

Aber ist die Strategie, sich einfach anders zu nennen und auf die Visitenkarte „Berater“ statt „Makler“ oder „Versicherungsvertreter“ zu schreiben erfolgversprechend?

Wer sich versteckt, zeigt damit jedenfalls kein Selbstbewusstsein. Er gibt zu erkennen: Ich habe einen Beruf, für den ich mich schämen muss, deshalb nenne ich mich anders. „Wer sich selbst geringschätzt, wird gerechterweise auch von anderen geringgeschätzt“, hat der britische Schriftsteller William Hazlitt einmal gesagt. Immanuel Kant drückte es so aus: „Wer sich zum Wurm macht, kann nachher nicht klagen, wenn er mit Füßen getreten wird.“

Jeder hat schon Menschen kennen gelernt, die sich immer „klein gemacht“ haben, die ängstlich und wenig selbstbewusst aufgetreten sind. Manche dieser Menschen sind sehr nett, aber ihr mangelndes Selbstbewusstsein führt dazu, dass andere keinen Respekt, keine Achtung vor ihnen haben. Wer wird besser behandelt? Der Selbstbewusste und Starke oder der Kleinlaute und Unterwürfige? Es mag uns ungerecht erscheinen. aber wir alle wissen, dass dem selbstbewussten Menschen mehr Respekt gezollt wird, dass er besser behandelt wird.

2018 kandidierte Friedrich Merz (wie derzeit erneut) für den Vorsitz der CDU. Die BILD-Zeitung fragte ihn. ob er Millionär sei. Statt sich dazu zu bekennen, dass er als erfolgreicher Anwalt Millionen verdient hat, druckste Merz herum, meint, es gehe ihm wirtschaftlich gut, aber vermied es zunächst „zuzugeben“, dass er Millionär ist. BILD ließ jedoch nicht locker und schließlich musste Merz „zugeben“, dass er Millionär ist. Aber beflissen fügte er hinzu, er rechne sich selbst zur gehobenen Mittelschicht. Natürlich machte er mit dieser wenig selbstbewussten Kommunikationsstrategie die Sache nicht besser, sondern nur noch schlechter. Jetzt fingen die Medien an, sich über diese Selbsteinordnung eines Multimillionärs als Angehörigen der Mittelschicht lustig zu machen. Neid beseitigt man nicht dadurch, dass man sich klein macht und versucht, die Neider zu besänftigen.

Heute können wir uns kaum noch vorstellen, dass es in Deutschland noch vor einigen Jahrzehnten als schwierig galt, sich als öffentliche Person dazu zu bekennen, homosexuell zu sein. Große Bekanntheit erlangte der spätere Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit, als er bei seiner Nominierung als SPD-Kandidat für das Misstrauensvotum gegen den CDU-Politiker Eberhard Diepgen und für angestrebte Neuwahlen seine (seinem Umfeld seit langem bekannte) Homosexualität auf einem Sonderparteitag der Berliner SPD am 10. Juni 2001 öffentlich machte. Er nahm damit einer sich abzeichnenden Thematisierung in einigen Medien samt den unkalkulierbaren Auswirkungen im bevorstehenden Wahlkampf den Wind aus den Segeln.

Sein Ausspruch „Ich bin schwul – und das ist auch gut so!“ wurde zum geflügelten Wort. Er war damit der erste deutsche Spitzenpolitiker, der so offen zu seiner Homosexualität stand. Durch die Reaktionen der Öffentlichkeit wurde es für alle folgenden Politiker, die sich zu ihrer Homosexualität bekannten, um einiges einfacher, damit umzugehen. Der Politikwissenschaftler Werner Josef Potzelt sagte: „Wowereits Outing war ein Befreiungsschlag.“ Wowereit selbst schrieb im April 2015, es sei „der wichtigste Satz“ in seinem Leben gewesen.

Wer sich versteckt – als Makler, als Versicherungsvertreter, als demokratischer Rechter, als Schwuler – provoziert damit erst recht die „Enthüller“ und „Entlarver“ sowie die Superschlauen, die sich melden: „Herr Lehrer, ich weiß auch noch was, in Wahrheit ist der doch ein …“ Menschen hoben eine feine Antenne für Stärke und Schwäche. Sie spüren das Motiv, wenn jemand sich versteckt und erkennen dahinter Angst und mangelndes Selbstvertrauen. Wer aber will von einem Makler kaufen, der sich offenbar für seinen eigenen Beruf schämt und Angst hat, sich dazu zu bekennen?

Ich weiß nicht, ob das die Überlegungen waren, die Jürgen Michael Schick geleitet haben, als er den Slogan „Mehr Makler geht nicht“ erfand. Als ich diesen Beitrag schrieb, konnte ich den selbstbewussten Satz auf der Homepage nicht mehr finden. Stattdessen steht jetzt da „We live investment“. Mir hat der alte Slogan besser gefallen. Sicher bin ich mir aber, dass die Haltung und Einstellung von Jürgen Michael Schick geblieben ist, denn er strahlt die Botschaft aus, dass er Makler ist – und zu Recht stolz darauf. Denn er ist der beste Makler, den ich in meinem Leben kennen gelernt habe, und ich bin stolz darauf, mit ihm zusammenzuarbeiten.

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