Interview: Alle Welt kauft in Berlin

Magazin / Experten

Der Berliner Wohnimmobilienmarkt ist der Liebling der Investoren. Im vergangenen Jahr wurden über zehn Milliarden Euro in Grundstücke und Wohnimmobilien in der Hauptstadt investiert. Die Käufer stammen nicht nur aus dem Inland, sondern häufig auch aus dem Ausland. Weltweit stoßen Berliner Wohnimmobilien auf riesiges Interesse, denn der hiesige Markt bietet gute Voraussetzungen für lohnende Investments, erklärt Jacopo Mingazzini, Geschäftsführer des Immobiliendienstleisters Accentro.
 

Warum ist der Berliner Immobilienmarkt für ausländische Investoren so attraktiv?

Der Hauptgrund liegt in dem vergleichsweise niedrigen Preisniveau. Denn während Investoren in Berlin eine Eigentumswohnung für durchschnittlich 1.883 Euro pro Quadratmeter kaufen können, müssen sie in anderen europäischen Städten wie Paris, London oder Oslo oft das Vier- bis Sechsfache zahlen. Da zudem in den kommenden Jahren mit deutlichen Mietsteigerungen zu rechnen ist, erscheint Berlin ausländischen Investoren geradezu als Anlageparadies.

Warum glauben Sie, dass die Mieten auch weiterhin steigen werden?

Wirtschaft, Einwohnerzahl und Haushaltszahlen legen kräftig zu. Prognosen zufolge wird Berlin 2020 die Grenze von 3,6 Millionen Einwohnern knacken. Diese Menschen brauchen Wohnraum. Jahrelang wurde der Neubau vernachlässigt, sodass die Mieten und Kaufpreise bereits deutlich angezogen haben. Eine weitere Verknappung des Wohnraumangebots wird die Preise weiter in die Höhe treiben. Investoren, die die aktuell guten Rahmenbedingungen für ihre Investments nutzen wollen, sollten also nicht zu lange warten, denn der Kampf um die begehrtesten Objekte hat längst begonnen.

Begünstigt die europäische Schuldenkrise den Run auf Berliner Immobilien?

Definitiv! Deutschland und insbesondere Berlin bieten im internationalen Vergleich stabile wirtschaftliche und politische Bedingungen. Anleger aus Italien, Portugal, Irland, Spanien und Griechenland, die sich wegen der Euro- und Finanzkrise Sorgen machen, schätzen den hiesigen Immobilienmarkt als sicheren Hafen und stecken ihr Geld deshalb vermehrt in Berliner Wohnimmobilien.

Gibt es Unterschiede zwischen in- und ausländischen Investoren?

Ausländische Investoren haben oftmals einen weiteren Investmentradius als deutsche Käufer. Sie wollen zwar in Berlin investieren, aber sie konzentrieren sich dabei nicht ausschließlich auf die Szenequartiere in Mitte, Prenzlauer Berg oder Friedrichshain-Kreuzberg, sondern interessieren sich aufgrund der höheren Renditechancen auch für Objekte in Wedding und Tiergarten. Auch bei der favorisierten Wohnungsgröße gibt es deutliche Unterschiede: Ausländische Investoren stehen den kleinen 1- bis 1,5-Zimmer-Wohnungen sehr viel vorurteilsfreier gegenüber als Anleger aus dem Inland.

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