Interview mit Thomas Zabel, Vorstand der Zabel Property AG

Magazine / Experten

„Berlin wird zum Ausweichmarkt für London“

Herr Zabel, die Entscheidung der Briten für den EU-Austritt kam für manche dann doch überraschend. Alle fragen sich nun, wie es weitergehen soll – und welche Folgen der Brexit auf den deutschen Wohnimmobilienmarkt haben wird.
Der Brexit ist bedauerlich, aber ich bin auch Optimist und sehe vor allem die Chancen für den Immobilienstandort Deutschland. Ich denke, dass wir insgesamt mit einer erhöhten internationalen Nachfrage nach deutschen Immobilien rechnen können. Der Grund ist, dass die Bedeutung Deutschlands als sicherer Hafen nach dem Brexit noch weiter an Bedeutung gewinnen wird. Das gilt insbesondere für die deutschen Metropolen.

Wie wird der internationale Mittelstand auf den Brexit reagieren?
Nach dem Referendum sitzt der Schreck bei Anlegern aus den USA, Asien und dem Nahen Osten erst einmal tief. Die Abstufung Großbritanniens durch die Ratingagentur Standard & Poor‘s wird diesen Trend noch verstärken. Es ist damit zu rechnen, dass internationale Investoren – insbesondere aus dem Mittelstand – nun vermehrt in Deutschland investieren.

Das britische Pfund ist nach der Brexit-Ankündigung massiv gefallen. Das macht britische Immobilien für ausländische Investoren erschwinglicher. Müsste der Trend also nicht eher in die andere Richtung gehen?
Bei solchen Gedankenspielen ist Vorsicht geboten: Der gesamtwirtschaftliche Ausblick für Großbritannien ist negativ. Vor allem die britische Immobilienwirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verlangsamt. Im April 2016 wurden in Großbritannien so wenige Hauskredite abgeschlossen wie seit elf Monaten nicht mehr. Mehrere große Investoren wie M&G, Standard Life und Aviva haben jüngst angekündigt, nicht mehr weiter in britische Immobilien investieren zu wollen. Das zeigt, dass die langfristigen Risiken derzeit weitaus größer eingeschätzt werden als die Chancen – niedrigere Preise hin oder her.

Wie viele Arbeitsplätze sollen von London auf den Kontinent verlegt werden, und welche Folgen hat das für die Nachfrage nach Immobilien?
Wahrscheinlich ist eine stetige Verlagerung von über 10.000 Arbeitsplätzen von London auf den europäischen Kontinent. Da die Stadt zu den weltweit wichtigsten Bankenplätzen gehört, dürften von dem Braindrain vor allem Investmentbanker, Juristen und Unternehmensberater betroffen sein. Von deren Wegzug wird auch Berlin profitieren. Durch die Verlagerung von Arbeitsplätzen werden neben Büroimmobilien insbesondere auch Wohnimmobilien noch stärker als bisher nachgefragt werden.

Und das betrifft auch das Premiumsegment?
Bisher umfasst das gehobene Segment nur ein Prozent des deutschen Wohnungsmarkts. Doch es entwickelt sich dynamisch. Berlin wird zum Ausweichmarkt für London – auch, weil Wohneigentum hier im internationalen Vergleich immer noch ziemlich günstig ist. Wir beobachten seit gut 18 Monaten ein deutlich gestiegenes Interesse des internationalen Mittelstands an Berlin, der hier 500.000 bis 700.000 Euro für eine Wohnung ausgibt. Dass die Nachfrage so kurz vor dem Referendum zugenommen hat, war sicherlich kein Zufall. Mittlerweile begründen einige unserer Käufer ihre Entscheidung für deutsche Immobilien ausdrücklich mit dem Brexit.

Zinshaus-Marktbericht Deutschland 2020/2021
Aktuelles, Investorenwissen
Schick Immobilien präsentiert Ihnen auf 200 Seiten einen umfassenden Überblick für Wohn- und Geschäftshäuser in 46 Städten. Eine konkrete Arbeitshilfe für Ihre nächsten Immobilienkäufe...
mehr...

1. Dezember 2020
Wohn-Investmentmarkt als Corona-Gewinner
Experten
Noch ist nicht absehbar, wie tief die Spuren der Corona-bedingten Rezession sein werden. Auch wenn es allmählich Lockerungen für verschiedene Wirtschaftszweige und Bereiche des...
mehr...

29. April 2020
Im Gespräch mit Jürgen Michael Schick
Experten
Es muss nicht immer der moderne Neubau sein: Wer in Immobilien investieren will, findet in Zinshäusern als Bestandsimmobilien eine interessante Möglichkeit, etwa zur Altersvorsorge,...
mehr...

12. März 2020