Interview: Preiswerter Wohnraum ist machbar

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Nach vielen Jahren auf niedrigem Niveau ist der Neubau in Berlin wieder im Aufschwung. Der Großteil der genehmigten neuen Wohnungen liegt in den zentralen innerstädtischen Lagen, wo nach der Fertigstellung nicht selten Mieten von deutlich mehr als zehn Euro je Quadratmeter verlangt werden – zu viel für viele Berliner. Dabei ist es durchaus möglich, auch im Neubau bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sagt Nils Olov Boback, Geschäftsführer von NCC Deutschland.

Wie können Projektentwickler schon vor dem ersten Spatenstich sicherstellen, dass sie preiswerte Wohnungen bauen?

Projektentwickler sollten Grund-stücke wählen, die ausreichend groß sind und eine maximale Auslastung zulassen, denn dann lassen sich in der Regel deutliche Preisvorteile realisieren. Ein weiterer wichtiger Aspekt: der Kaufpreis. Er sollte im Idealfall unter dem Bodenrichtwert liegen.

Lassen sich diese Voraussetzungen in allen Lagen Berlins erfüllen?

Nein. Beispielsweise sind Grundstücke in der Berliner Innenstadt oftmals zu klein und aufgrund der hohen Nachfrage zu teuer, um dort kostengünstig bauen zu können. Unserer Erfahrung nach bieten die Zentren der einzelnen Bezirke die besten Voraussetzungen für preiswertes Bauen – und das auch dann, wenn die Bezirke selbst nicht zentral liegen, sondern eher in den Randlagen der Hauptstadt.

Welche Faktoren sind bei der Realisierung von Projekten am wichtigsten, um preiswerten Wohnraum zu schaffen?

Bezahlbare Neubauwohnungen lassen sich nur dann realisieren, wenn zwei Dinge beachtet werden: Zum einen muss die Bauweise kosteneffizient sein. Zum anderen müssen Kostentreiber von Anfang an konsequent vermieden werden.

Was verstehen Sie unter einer kosteneffizienten Bauweise?

Ähnlich wie in der Autoindustrie ist es auch im Wohnungsbau möglich, die meisten Bauteile im Rahmen einer industriellen Serienproduktion vorzuproduzieren. Mit vorge-fertigten Bauelementen lassen sich mit einem darauf abgestimmten Bausystem kosteneffizient dennoch unterschiedlichste Produkte – vom Einfamilien- bis zum Mehr-familienhaus – realisieren.

Sie sprachen als weiteren Aspekt die Kostentreiber an. Welche verhindern am meisten die Entstehung bezahlbarer Wohnungen?

Fehlende Teamarbeit ist einer der häufigsten Kostentreiber im Baugeschäft. Ein Architekt, der einem Projekt das gewisse Etwas verleihen will, plant gern Highlights wie runde Fenster. Auch überdimensionale Fensterflächen sind gern gesehen, verursachen aber durch die notwendige Anbringung und Wartung von Verschattungsanlagen zusätzliche Kosten. So etwas lässt sich vermeiden, wenn die Mitarbeiter, die später für die Produktion und die Bauausführung zuständig sind, bereits in der Planungsphase hinzugezogen werden. Gemeinsam lässt sich sicherstellen, dass nur geplant wird, was umgesetzt – das heißt, was später auch vermietet und verkauft werden kann.

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