Luxus-Markt: Warum deutsche Metropolen immer mehr Interessenten finden

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Von Gastautor Alexander Stehle, geschäftsführender Gesellschafter Hamburg | Sotheby´s International Realty

Monaco, Singapur, New York – das sind im landläufigen Sinn die Hotspots derer, die das Hier und Jetzt wertig und genussorientiert auskosten und hierorts mindestens ein Penthaus oder eine luxuriöse Ferienwohnung erwerben. Das Bild von Deutschlands Städten hingegen ist immer noch geprägt von der Sparer-Nation der späten 1990er Jahre, von einer preußischen Askese und einer Mentalität, die den Geiz dem Wohlstand ganz bewusst vorzieht.

Seit einigen Jahren findet jedoch ein Paradigmenwechsel statt. Denn die hohe Lebensqualität[1] und das breite Angebot an Bildungs-, Freizeit- und Entertainmentmöglichkeiten überzeugen Selbstnutzer und Investoren. Vor allem Deutschlands Metropolen holen im Segment der Premium-Immobilien immer weiter auf. Die Käufer der Zukunft legen nicht nur Wert auf schöne Natur und eine hervorragende Infrastruktur, sondern auch auf gute wirtschaftliche und demografische Prognosen für den Standort sowie eine spannende, internationale Kultur- und Kunstszene. Diesbezüglich können insbesondere Start-up-Metropolen wie Berlin und Hamburg gegenüber anderen europäischen Städten – wie beispielsweise London – punkten.

Da verwundert es kaum, dass Berlin dem „Wealth Report 2018” von Knight Frank[2] zufolge innerhalb eines Jahres ein Wachstum von rund zehn Prozent verzeichnete und damit unter 100 Weltstädten Platz 12 belegt. Frankfurt liegt mit 12,2 Prozent sogar auf dem sechsten Rang, München auf dem elften. Damit übertreffen die drei deutschen Top-Städte sogar New York, Melbourne und Hong Kong. London landet mit -0,7 Prozent weit abgeschlagen im hinteren Feld. Dieser Umstand ist nicht zuletzt auf das Brexit-Votum zurückzuführen.

Gleichzeitig siedeln sich in Berlin immer mehr international renommierte Digitalkonzerne wie Apple und Amazon an; Siemens investiert in Berlin-Spandau Millionenbeträge, um eine Arbeits- und Lebenswelt der Zukunft zu schaffen; und die Kaufkraft der Hauptstädter steigt kontinuierlich.

Gründer beflügeln hohe Nachfrage im Berliner und Hamburger Premium-Segment

Dass erfolgreiche Unternehmen verstärkt in Berlin investieren, ist auch in den geringeren Lebenshaltungskosten und Kaufpreisen für Wohn- und Gewerbeimmobilien begründet. So kostet ein größerer Büroraum in der Bundeshauptstadt nur etwa ein Fünftel der Londoner Preise. Gerade Flächen in den Metropolen, wie ein Coworking Space in einem Hinterhof in Berlin-Kreuzberg oder ein Loft im Hamburger Szeneviertel St. Pauli sind begehrt und noch vergleichsweise günstig. Dafür spricht auch die Zahl der Neugründungen und -niederlassungen von Unternehmen: Mit 253 Neugründungen in einem Zeitraum von drei Jahren ist Hamburg laut Gründungsmonitor der KfW-Spitzenreiter in Deutschland. Bezogen auf 10.000 Einwohner liegt die Hansestadt knapp vor Berlin mit 238 Neugründungen.

Ein Großteil der Start-ups bringt erfolgreiche Gründer hervor, die von überall aus der Welt nach Deutschland kommen. Neben Selbstnutzern richten auch internationale Investoren ihren Blick verstärkt auf deutsche Metropolen. Die Nachfrage nach Premium-Immobilien in den Elbvororten und in Blankenese sowie in Berlin-Zehlendorf, in Mitte und im Grunewald steigt, gleichzeitig wird auf die Stadtfläche gesehen das Angebot größer. Für den Vertrieb bedeutet das, sich im Wettbewerb der Anbieter bei der internationalen Kundschaft richtig zu positionieren. Hierbei geht es um Softskills bei der Beratung wie auch bei der Einrichtung. Während hohe Fenster und lichtdurchflutete Räume inzwischen ein Muss für jede Entwicklung im gehobenen Segment sind, wird dem Innendesign noch zu wenig Beachtung geschenkt. Allzu häufig werden Kunden durch klinisch weiße Räume geführt, da entsteht wenig Identifikationspotenzial. Auch eigens erstellte Computergrafiken für zukünftige Entwicklungen wirken eher farblos und steril. Es geht um das geeignete Mobiliar oder eine gut ausgestattete Wohnküche sowie Böden mit hellem Parkett.

Ein guter Vertrieb sollte Verknüpfungen herstellen können

Um Missverständnisse zu vermeiden: Ein Vertrieb sollte nicht zum Innenarchitekturbüro werden, aber er kann geeignete Verknüpfungen herstellen. Seine Aufgabe erfüllt er, wenn er Bauträger und Architekten beim Innenraumkonzept berät und entsprechend koordiniert. Dann wird der Vertrieb zum integralen Bestandteil der Projektentwicklung. Und das eben auch für internationale Städte wie Hamburg und Berlin.

 

[1] https://www.mercer.de/newsroom/quality-of-living-2018.html

[2] The Wealth Report 2018 – Knight Frank, S. 34, Marktwachstum zwischen 2016 und 2017.

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