Marktentwicklungen: Wo echte Berliner und wo Zugezogene leben – Migranten machen den Mauerfall sichtbar

Magazin / Experten

von Jürgen Michael Schick, MRICS

Berlin wächst und gedeiht immer weiter. In den nächsten 15 Jahren soll die Hauptstadt 250.000 Einwohner mehr als heute zählen, damit rechnet der Berliner Senat. Wo aber wohnen heute noch die „echten“ Berliner, und wo hat es die Neuberliner hingezogen? In den vergangenen 25 Jahren hat sich ein enormer Bevölkerungsaustausch in der Stadt vollzogen. Die „Berliner Morgenpost“ berichtet, dass seit 1991 2,9 Millionen Menschen in die Stadt gezogen sind und im selben Zeitraum 2,7 Millionen Menschen Berlin verlassen haben. Die Geschichte der Stadt seit dem Mauerfall sei dabei keineswegs von einem dauerhaften Boom geprägt. Während in den 90er Jahren deutlich mehr Berliner die Stadt verlassen haben, als Menschen hierher kamen, überwiegen seit Anfang des vergangenen Jahrzehnts wieder die Zuzüge. Das spannende Ergebnis einer Auswertung von Daten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg ist, dass heute nicht mehr die Mauer die Stadt teilt, sondern eine Bahntrasse. „Zwischen Zugezogenen und echten Berlinern“, so die „Berliner Morgenpost“, „trennt heute der S-Bahn-Ring.“ Vor allem in der Innenstadt dominieren die Neuberliner bei Weitem die Bevölkerung. In den Außenbezirken sind die echten Berliner in der Mehrzahl.

Zugezogene

Rund um den Potsdamer Platz und das Kulturforum (Nördlicher Berliner Landwehrkanal in Mitte) oder Unter den Linden leben heute 81 Prozent Zugezogene. Rund um die Invalidenstraße in Mitte sind es 75 Prozent Neuberliner, am Savignyplatz in Charlottenburg zählen die Statistiker 69 Prozent Neuberliner. „Icke“ und „dette“ hört man dagegen am ehesten noch in Spandau Am Heideberg, wo 80 Prozent echte Berliner das Quartier prägen. In Tegel sind es rund um die Freie Scholle 70 Prozent Urberliner, ähnlich wie in Lübars oder Blankenfelde.

Woher aber sind die Zugezogenen gekommen? Zu 57 Prozent aus Deutschland, zu 43 Prozent kommen sie aus dem Ausland. Die Schwaben übrigens zieht es tatsächlich gerne nach Pankow, zu allererst aber nach Mitte. Seit dem Mauerfall kamen ca. 142.000 Baden-Württemberger an die Spree. 1.328 von ihnen schlugen allein im Jahr 2013 in Mitte ihre Zelte auf. Auf Platz zwei folgt Friedrichshain-Kreuzberg, und auf Platz drei landet Pankow als liebstes Domizil der Schwaben. Ohnehin sind diese drei dominieren die Türken als größte Migrantengruppe. Am Mehringplatz in Kreuzberg beträgt die Migrationsquote 76,3 Prozent, die türkischstämmigen Berliner machen knapp 24 Prozent der dortigen Bevölkerung aus. Ähnliche Korrelationen finden sich im Rollbergviertel in Neukölln oder in verschiedenen Stadtteilen im Wedding. Wenige hundert Meter entfernt vom klassischen Kreuzberg-Mix, rund um die Leipziger Straße in Mitte, sieht die Welt ganz anders aus. Hier haben 37 Prozent der Menschen einen Migrationshintergrund, die größte Teilgruppe sind die Russen mit einem Anteil von gerade einmal 4,5 Prozent. „Die Abschottung der DDR und die Einwanderungspolitik der Bundesrepublik wirken nach“, analysiert die „Morgenpost“. Stimmt es denn auch, dass im teuren Grunewald viele Russen wohnen? Zumindest sind sie dort die größte Migrantengruppe (mit ca. fünf Prozent an der Hundekehle und ca. drei Prozent rund um die Bismarckallee). In Dahlem dagegen leben 25 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund.

Zuwanderer

Bezirke die Top-Favoriten der Zugezogenen, wie die
„Morgenpost“ kommentiert.
Die Berliner Kieze sind bunt und für ihre vielfältige Mischung bekannt. Jeder vierte Berliner hat einen Migrationshintergrund. Große Unterschiede gibt es zwischen West (ca. 36 Prozent) und Ost (ca. 16 Prozent). Am ehemaligen Mauerverlauf

Aus den USA kommen ca. drei Prozent der Dahlemer Bevölkerung, aus Russland 1,7 Prozent. Berlin bleibt auch in den kommenden Jahren in Bewegung. Ein Ende des derzeitigen Booms ist nicht abzusehen. In jeder Minute findet ein Umzug statt, hat das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg ermittelt. Wohl dem, der Umzugsunternehmer ist – oder Makler.

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