Ortsteilporträt Reinickendorf

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Reinickendorf: Grün und günstig im Nordwesten

Reinickendorf ist Berlins größter Bezirk, kommt aber in der Wahrnehmung oft zu kurz. Er gilt als unauffällig, grün und etwas spießig.

Die Wurzeln des Bezirks liegen im Ortsteil Alt-Reinickendorf, der auf den zweiten Blick mehr bietet, als der erste Blick vermuten lässt. Um 1230 wurde Reinickendorf von einem niedersächsischen Bauern namens Reinhardt gegründet. Zwar zeigt das Bezirkswappen einen Fuchs, der in Fabeln als Reinecke bezeichnet wurde. Der Name Reinickendorf geht jedoch auf die Bezeichnung als Reinhardts Dorf, im Plattdeutschen „Renekentorp“, zurück. Das Angerdorf wechselte über die Jahrhunderte mehrmals den Besitzer und wurde schließlich 1920 nach Großberlin eingemeindet, wo es dem gleichnamigen Bezirk seinen Namen gab.

Der Dorfanger und die „Weiße Stadt“ – architektonische Historie in Reinickendorf

Heute liegt die Straße Alt-Reinickendorf, die den Dorfanger umschließt, eingerahmt von Bäumen zwischen Hauptverkehrsstraßen und der S-Bahnstrecke. Trotzdem hat sich das Ensemble seinen fast dörflichen Charme erhalten. Das
Gebiet rund um die Dorfkirche, die aus dem 15. Jahrhundert stammt, zeugt von der städtebaulichen Geschichte Reinickendorfs. Neben Bauernhöfen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts finden sich die alten Industrieanlagen der Prometheus-GmbH, die während des Zweiten Weltkriegs  Rüstungsgüter produzierte. Heute besteht hier ein kleines Gewerbegebiet, darüber hinaus finden sich hier Mietwohnhäuser und Einfamilienhäuser. Letztere gehören zur Siedlung
Luisenhof, die von 1919 bis 1920 errichtet wurde. Vorbild für die Reihenhaussiedlung des Architekten Georg Heyer waren
die Gartenstädte in Falkenberg und Staaken.

Unweit vom Ursprung Reinickendorfs entfernt liegt die „Weiße Stadt“, die seit 2008 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes „Siedlungen der Berliner Moderne“ ist. Nach Planungen der Architekten Bruno Ahrends, Wilhelm Büning und Otto Rudolf Salvisberg entstanden zwischen 1929 und 1931 insgesamt 1.286 Wohnungen im Stil der Neuen Sachlichkeit. Die umgangssprachlichen Bezeichnungen „Weiße Stadt“ und „Schweizer Viertel“ rühren zum einen von der charakteristischen Fassadengestaltung und zum anderen von den schweizerischen Straßennamen her. Die Siedlung verfügte über eine ausgeklügelte Infrastruktur mit Ladengeschäften, Kindergarten, Ärztehaus, Apotheke und einem Heizkraftwerk. Von den ehemaligen Einrichtungen sind heute jedoch nur noch wenige erhalten, darunter das Wahrzeichen der Siedlung, das von Otto Rudolf Salvisberg entworfene Brückenhaus, das die Aroser Allee überspannt.

Gewerbe und Grünflächen

Einen Bogen spannen auch die vielfältigen Gewerbe- und Industriebetriebe im Gewerbegebiet Flottenstraße, das in der nördlichen Spitze des Ortsteils liegt. Mit seiner Nähe zur Autobahn und zum Flughafen bietet es einen optimalen Standort für Unternehmen. Metall- und kunststoffverarbeitende Betriebe sowie Recyclingbetriebe, eine Seilfabrik und diverse andere Gewerbe haben hier ihren Sitz und sorgen dafür, dass Produkte „Made in Reinickendorf“ international vertrieben werden. Eine lange Tradition besitzt die Staatliche Münze Berlin, die seit 2005 ihren neuen Standort im Gewerbegebiet an der Ollenhauerstraße hat und als Landesbetrieb Umlauf- und Sondermünzen für die Bundesrepublik Deutschland prägt.

Der Name des fast kreisrunden Schäfersees, der in der Nähe des U-Bahnhofes Franz-Neumann-Platz liegt, wurde durch eine Schäferei geprägt, die einst ihr Weideland rund um den See besaß. Vor der Schur wurden die Schafe im See gewaschen, um die Wolle zu reinigen. Im späten 19. Jahrhundert legte dann die Eisfabrik Mudrack rund um den See Eisteiche an. Im Winter wurde das Eis geerntet und bis zum Sommer in kühlen Kellern gelagert. Heute erinnert nur noch die nahe gelegene Mudrackzeile an die einstige Nutzung des heutigen Erholungs- und Freizeitparks. Zusammen mit dem Kienhorstpark, der nordöstlich der Dorfaue liegt, bildet der Park am Schäfersee die größten Grünflächen im Ortsteil Reinickendorf. Früher dehnte sich das Flurstück „Kienhorst“ in westlicher Richtung bis zur Otisstraße aus, die heute den Ortsteil im Westen begrenzt. Hier befindet sich eine Station der U-Bahnlinie U6, die zusammen mit der U-Bahnlinie U8 den Ortsteil erschließt. Innerhalb von 15 Minuten erreicht man die Friedrichstraße oder den Alexanderplatz. Mit der S-Bahnlinie S25 sind es rund 20 Minuten bis zum Potsdamer Platz. Die S-Bahnlinie S1 fährt von Oranienburg im Norden bis nach Wannsee im Südwesten Berlins. Die S85 erschließt den Südosten der Stadt bis nach Adlershof. Zudem verkehren mehrere Buslinien in Reinickendorf u. a. zum Hauptbahnhof.

Mieten sind moderat

Die Bundesstraße B96 und die Autobahn A111 führen durch den Ortsteil, der im Südosten an den Flughafen Tegel grenzt. Letzterer sorgt nicht nur für eine gute Anbindung, sondern auch für Fluglärm, der sich auf die Mieten und Kaufpreise in Reinickendorf auswirkt. Aufgrund der zum Teil engen Vermischung von Wohnen und Gewerbe ist das Mietniveau im Vergleich
zu ähnlich innenstadtnahen Gebieten mit im Schnitt sieben Euro pro Quadratmeter relativ moderat. Dennoch sind sie in den vergangenen Jahren stark gestiegen, denn immer mehr Wohnungssuchende suchen und finden außerhalb der Innenstadt in Reinickendorf gut erschlossene Gebiete. Es ist damit zu rechnen, dass die Preise in Zukunft weiter steigen, da fast keine neuen Wohnungen gebaut werden. Dies liegt nicht zuletzt an den teuren Lärmschutzmaßnahmen, die für Neubauten in der Nähe des Flughafens nötig sind. Nach Fertigstellung des Flughafens Berlin-Brandenburg soll der Flughafen Tegel geschlossen werden. Dann ist mit einem weiteren Anstieg der Mieten und Kaufpreise zu rechnen, bis das Angebot an Wohnungen durch Neubauten erweitert wird.

Zum Ortsteil Reinickendorf gehören von West nach Ost die Gebiete Eichborndamm, Alt-Reinickendorf und Residenzstraße. Die durchschnittliche Miete in allen Marktsegmenten liegt am Eichborndamm mit 7,02 Euro pro Quadratmeter etwa gleichauf mit dem Bezirksdurchschnitt von 7,08 Euro pro Quadratmeter. In Alt-Reinickendorf und rund um die Residenzstraße liegt die Miete im Mittel zwanzig Cent niedriger bei 6,83 bzw. 6,88 Euro pro Quadratmeter. Im oberen Marktsegment liegen die Mieten im gesamten Ortsteil zwischen 10,28 und 10,61 Euro pro Quadratmeter und damit nahe am Bezirksdurchschnitt von 10,50 Euro pro Quadratmeter, aber fast fünf Euro niedriger als das Berliner Mittel von 15,05 Euro pro Quadratmeter. Die Mieten im unteren Marktsegment liegen mit 5,55 bis 5,82 Euro pro Quadratmeter sowohl über dem Durchschnitt des Bezirkes von 5,31 Euro pro Quadratmeter als auch dem der Stadt mit 5,50 Euro pro Quadratmeter.

Die Wohnungen in Reinickendorf sind deutlich kleiner als der Berliner Durchschnitt. Dies liegt an der Bebauung, die aus den 1920er Jahren stammt, als kostengünstig neuer Wohnraum geschaffen wurde. In der „Weißen Stadt“ sind die Wohnungen im Schnitt 50 Quadratmeter groß. In Alt-Reinickendorf liegt die Wohnungsgröße im Mittel daher nur bei 60 Quadratmetern, zwölf Quadratmeter weniger als im Bezirksdurchschnitt und elf Quadratmeter weniger als im Berliner Durchschnitt.


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