Stadtteilporträt Wilmersdorf

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Vom Seebad zum beliebten Wohnungsgebiet

„Berlin – die Sinfonie einer Großstadt“, „Berlin Calling“, „Berlin Babylon“ – die deutsche Hauptstadt ist Schauplatz und Thema zahlreicher Filme. Filmprojekte, bei denen ein einzelner Platz Berlins und seine Anwohner im Mittelpunkt stehen, sind hingegen sehr selten. „Berlin – Ecke Bundesplatz“ ist so ein Projekt. Die beiden Filmemacher Detlef Gumm und Hans-Georg Ullrich begleiteten über einen Zeitraum von 26 Jahren die Menschen mit der Kamera, die rund um den Bundesplatz leben und arbeiten. Mit dem Projekt, das 1986 startete, wollten Ullrich und Gumm den Weg der Menschen ins neue Jahrtausend festhalten. Das Projekt wurde jedoch so erfolgreich, dass sie es bis 2012 fortführten. Dabei entstand insgesamt Filmmaterial von mehr als 60 Stunden, das als Serie von WDR, RBB und 3sat ausgestrahlt wurde. Die letzten vier Folgen wurden sogar bei der Berlinale 2013 gezeigt. Der auf den ersten Blick recht unscheinbare Bundesplatz liegt in Wilmersdorf im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Dieser Bezirk gilt gemeinhin als gutbürgerliche Wohngegend mit hohen Einkommen. Der Ortsteil Wilmersdorf bildet davon keine Ausnahme. Wie dem WohnmarktReport 2014 von GSW und CBRE zu entnehmen ist, liegt die durchschnittliche Kaufkraft pro Haushalt in den meisten Gebieten Wilmersdorfs deutlich über dem Berliner Median. Besonders hoch liegt sie im Bereich der Uhlandstraße und der Lietzenburger Straße sowie rund um den Olivaer Platz.

Mondän wohnen rund um den Olivaer Platz

In der Gegend rund um den Olivaer Platz werden mit 11,28 Euro pro Monat und Quadratmeter auch im Mittel die höchsten Mieten in Wilmersdorf erzielt. Die Wohnkostenquote liegt hier bei mehr als 41 Prozent und ist damit nicht nur die höchste des Ortsteils, sondern auch eine der höchsten des gesamten Berliner Stadtgebiets. Das mag auch in der Größe der Wohnungen begründet sein: Mit 108 Quadratmeter im Median verfügen die Anwohner am Olivaer Platz über die zweitgrößten Wohnungen Berlins. Weitläufiger wohnen nur noch die Menschen in Dahlem mit 111 Quadratmetern. Mit Blick auf die Miethöhe liegt das Gebiet Uhlandstraße/Lietzenburger Straße an zweiter Stelle in Wilmersdorf. Hier liegen die Angebotsmieten laut WohnmarktReport bei 10,87 Euro pro Monat und Quadratmeter. Das Schlusslicht bei den Mietpreisen bilden die Gebiete Volkspark-West, Volkspark-Ost und Hochmeisterplatz. Für Wohnungen in diesen Gegenden werden zwischen 8,50 und 8,60 Euro pro Quadratmeter gefordert – und damit immer noch etwa 50 Cent mehr als im Berliner Median.

Schlangenbader Straße: Wohnen über der Autobahn

Insgesamt ist die Architektur in Wilmersdorf sehr vielfältig. Zahlreiche sanierte Altbauten, ausgebaute und aufgestockte Dachgeschosse sowie viele neugebaute Mehrfamilienhäuser prägen das Straßenbild in Wilmersdorf. Der Ortsteil besteht hauptsächlich aus Wohngebieten. In Wilmersdorf finden sich jedoch nicht nur teure Altbauten, sondern auch außergewöhnliche Wohnanlagen. Der Wohnkomplex über der Autobahn 104, der umgangssprachlich auch als „Schlange“ bezeichnet wird, umfasst mehr als tausend Wohnungen auf insgesamt 14 Stockwerken. Das Bauwerk, das ästhetisch vielleicht nicht jedermanns Sache ist, wurde Ende der siebziger Jahre im Auftrag der degewo erbaut. In West-Berlin herrschte damals eine große Wohnungsknappheit. Ebenfalls ein besonderes Wohnviertel ist die Künstlerkolonie im Südosten Wilmersdorfs. Die Wohnsiedlung wurde Ende der zwanziger Jahre errichtet. Künstler und Schriftsteller sollten hier preiswert und gleichzeitig angenehm wohnen können. Auch heute wohnen dort noch viele Künstler, allerdings eher aufgrund der Tradition des Ortes. Ein Teil der Gebäude steht heute unter Denkmalschutz. Das Andenken an die Künstler und Schriftsteller, die dort lebten und arbeiteten, zu erhalten, hat sich der Verein „Künstler Kolonie Berlin e.V.“ zur Aufgabe gemacht. Er unterstützt zudem zeitgenössische Künstler mit Bezug zur Künstlerkolonie.

Kunst und Kultur in Wilmersdorf

Doch auch die Wilmersdorfer, die nicht in der Künstlerkolonie leben, müssen auf Kunst und Kultur nicht verzichten. Wilmersdorf bietet ein abwechslungsreiches Kulturangebot. Dazu zählen viele Galerien wie die Kommunale Galerie am Hohenzollerndamm. Hier können die Besucher Gegenwartskunst von Berliner Künstlern bewundern. Eine Art Bibliothek für Kunst ist die Artothek. Fotos, Skulpturen und Gemälde können dort für eine Leihgebühr für einen mehrmonatigen Zeitraum entliehen werden. Theaterfans kommen in Wilmersdorf ebenfalls auf ihre Kosten: In der renommierten Berliner Schaubühne am Lehniner Platz werden sowohl moderne als auch klassische Stücke aufgeführt. Außerdem haben Wissenschaft und Forschung ihren festen Platz in Wilmersdorf. Das Wissenschaftskolleg mit Sitz in der Wallotstraße fördert junge Wissenschafts-Newcomer und international anerkannte Wissenschaftler. Durch die finanzielle Unterstützung können sie sich ein Jahr lang einem Forschungsvorhaben ihrer Wahl widmen.

Erholung im Grünen im Volkspark Wilmersdorf

Ob Wissenschaftler oder einfacher Angestellter: Erholung im Grünen sucht jeder ab und an einmal. In Wilmersdorf biete sich für Erholung im Grünen auch der Volkspark Wilmersdorf an. Besonders Kinder und Jugendliche haben hier auf Fußballfeldern und an Tischtennisplatten viele Möglichkeiten für Sport und Spiel in der Natur. Der Volkspark blickt auf eine lange Historie zurück. Otto Schramm eröffnete 1879 auf dem Gelände am Wilmersdorfer See das „Seebad Wilmersdorf“. Erholungssuchende aus Berlin strömten in Scharen in das bis dahin eher ruhige Wilmersdorf, damals noch eine eigenständige Ortschaft. „Gehn‘ wir zu Schramm?“ wurde ein geflügeltes Wort in Berlin.
Wer sich zur Erholung eine besondere Atmosphäre wünscht und vor Friedhöfen nicht zurückschreckt, sollte den Friedhof Wilmersdorf aufsuchen. Das weitläufige Gelände mit vielen alten Grabmählern wurde Ende des 19. Jahrhunderts angelegt. Einige Teile des Friedhofs sind ein eingetragenes Gartendenkmal des Landes Berlin.

Wilmersdorf wird ein Teil Berlins

Auch neben der Eröffnung des Seebads veränderte sich Wilmersdorf Ende des 19. Jahrhunderts enorm. Johann Anton Wilhelm von Carstenn war der Erste, der sich der Stadtplanung in dem Ortsteil annahm. Er ahnte, dass sich Berlin als Hauptstadt des 1871 gegründeten Kaiserreiches schnell ausdehnen würde. Er plante deshalb, Potsdam mit Berlin durch den Grunewald zu verbinden. Dazu ließ er die Kaiserallee anlegen. Sie ist bis heute unter dem Namen Bundesallee erhalten. Ab 1890 wurden in Wilmersdorf viele fünfgeschossige Mietshäuser errichtet, um den vielen Zuzüglern Wohnraum zu bieten. Innerhalb weniger Jahre wuchs die Einwohnerzahl des Ortes von 5.000 auf über 100.000 Menschen. Daraufhin bekam Wilmersdorf das Stadtrecht verliehen. Damit konkurrierte es mit dem heutigen Partnerbezirk Charlottenburg und dem benachbarten Schöneberg um finanzkräftige Berliner, die Wilmersdorf teilweise bis heute als Mieter erhalten geblieben sind. Im „Kampf“ um die gut betuchten Familien wurden Schulen und U-Bahn-Stationen errichtet. 1920 wurde die Stadt Berlin-Wilmersdorf schließlich ein Teil von Groß-Berlin. Seit 2001 gehört Wilmersdorf schließlich zusammen mit den Ortsteilen Schmargendorf und Grunewald zum Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.

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