„Warum Berlin viel stärker wachsen wird“

Magazine / Kolumnen

von Dr. Rainer Zitelmann

Alle Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung, die in den vergangenen Jahren erstellt wurden, sind heute Makulatur. Sie basierten auf der Annahme einer Netto-Zuwanderung nach Deutschland von 100.000 bis 200.000 Personen pro Jahr. In den vergangenen Monaten kamen jeden Monat mehr Zuwanderer, als in diesen Prognosen für das ganze Jahr vorgesehen waren.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in Berlin reagiert nun. Sie hat erkannt, dass sie ihre bisherigen Prognosen revidieren muss. Auf der Website der Senatsverwaltung erklärt sie: „Berlin wächst aktuell sehr dynamisch. In den Jahren 2011 bis 2014 hat Berlin im Saldo rund 175.000 Personen hinzugewonnen.“ Dies liege schon oberhalb der oberen (also maximalen) Prognosevariante, die im Jahr 2011 erstellt worden war. Wegen des starken Zustroms an Flüchtlingen, so die Senatsverwaltung, könne man die alte (noch aus dem Jahr 2011 stammende) „Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 bis 2030“ so nicht mehr verwenden.

„Die in 2011 in dieser Größenordnung nicht vorhersehbare Entwicklung der Wanderungsströme nach Berlin bringt die Notwendigkeit mit sich, eine neue kleinräumige Prognose vorzulegen. Diese wird derzeit erarbeitet“, so heißt es auf der Website der Senatsverwaltung. Die neue Prognose werde wiederum – wie die bisherige – drei Varianten für die künftige Entwicklung der Stadt darstellen. Ich bin neugierig, wie diese neue Prognose ausfallen wird.

Niemand weiß, wie sich die Zuwanderung insgesamt deutschlandweit entwickeln wird, weil niemand weiß, ob und in welchem Maße die Politik die gegenwärtigen Probleme lösen kann und überhaupt lösen will. Aber eines ist klar: Deutschland insgesamt wird nicht schrumpfen, wie es seit Jahrzehnten immer wieder von Demografen vorausgesagt worden ist.

Und obwohl beispielsweise in Ostdeutschland und in vielen ländlichen Regionen genügend Wohnungen leer stehen, um eine große Zahl an Zuwanderern aufzunehmen, ist es unwahrscheinlich, dass sich diese dauerhaft dort ansiedeln werden. Aus Erfahrung weiß man, dass es Einwanderer verständlicherweise dorthin zieht, wo viele ihrer Landsleute bereits leben – also eher nach Berlin als nach Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern.

Wo es weder Arbeitsplätze gibt noch eine Community von Menschen, die die gleiche Sprache sprechen, wird es die Zuwanderer nicht hinziehen. Auch wenn die Zuwanderer als erste Station in anderen Gemeinden aufgenommen werden, so werden sie nach einigen Monaten oder Jahren in die Metropolen ziehen.

Die sozialen und politischen Folgen dieser Zuwanderung sehe ich teilweise kritisch. Aber für Immobilieneigentümer und -investoren, besonders im Wohnungssegment, ist das natürlich eine gute Nachricht, da sich die Nachfrage nach Wohnraum viel dynamischer entwickeln wird als in allen bisherigen Immobilienmarktprognosen vorhergesagt. Und dies bedeutet auf Dauer sowohl steigende Mieten als auch steigende Preise – auch und gerade in Berlin.

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