Auch Berlins Umland ist interessant

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Dr. Rainer Zitelmann

Geben Sie mal „Oranienburg“ bei Immobilien Scout ein und schauen Sie, wie viele freie Wohnungen Sie dort für die Vermietung finden. Sie werden nicht mehr als 20 freie Wohnungen finden – und das in einer Stadt mit immerhin über 42.000 Einwohnern! Ich habe erstmals in diesem Jahr ein Mehrfamilienhaus in Oranienburg gekauft. Eine einzige Wohnung stand leer, aber nicht lange. Wenige Tage, nachdem sie inseriert wurde, war der neue Mietvertrag bereits unterschrieben, mit einer Nettokaltmiete von acht Euro (statt zuvor sechs Euro). Ich hatte mich früher nicht intensiver mit dem Berliner Umland beschäftigt. Doch bevor ich das Haus in Oranienburg kaufte, habe ich recherchiert – und gestaunt: Der Landkreis Oberhavel hat laut der Rangliste von „Focus Money“ die größte Wirtschaftskraft in Ostdeutschland. Das Ranking vergleicht die Wirtschaftskraft der Regionen und Gemeinden anhand von sieben Kriterien. Dazu gehören die Arbeitslosenquote, die Bruttowertschöpfung, das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen, die Bevölkerungsentwicklung und das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes.

Oberhavel wurde lange Zeit unterschätzt. Dabei sind dort sogar Weltmarktführer zuhause, so etwa das Unternehmen Orafols, das Klebefolien entwickelt. Das Unternehmen ist auf allen Kontinenten aktiv – außer in Europa auch in Amerika, Asien, Australien und sogar Afrika. Die Firmenzentrale sitzt in Oranienburg. Auch der japanische Pharmahersteller Takeda hat seinen Deutschlandsitz in Oranienburg und ist ein Global Player.

Oranienburg ist nur ein Beispiel. Dass Potsdam zu den attraktivsten Immobilienstandorten Deutschlands gehört, ist inzwischen bekannt. Leerstand gibt es dort schon lange nicht mehr. Dort hatte ich übrigens vor fast 20 Jahren meine erste Wohnung gekauft – und die stand nie länger als nur wenige Tage leer.

Die Zahl der Pendler, die aus dem Berliner Umland kommen, wächst jedes Jahr. Im Jahr 2000 pendelten 180.000 Brandenburger nach Berlin, heute sind es fast 300.000. Jede fünfte Stelle in Berlin wird von außerhalb besetzt. Dabei ist noch
viel Luft nach oben. In dem Maße, in dem Wohnraum in Berlin knapper wird, wird sich die Zahl derjenigen erhöhen, die in den Speckgürtel ziehen und in die Hauptstadt pendeln. In Berlin liegt die Einpendlerquote (Anteil der Einpendler an Arbeitsortbeschäftigten) heute bei ca. 22 Prozent, in Hamburg liegt sie über 37 Prozent und in Bremen sogar über 42 Prozent.

Natürlich sind die Immobilienpreise auch im Umland gestiegen. Ich habe die oben erwähnte Anlage für das 16,6-Fache gekauft. Das ist nicht „billig“. Jeder hat eine andere Philosophie: Wenn ich vor der Wahl stehe, in einer guten Lage Berlins das 25-Fache zu zahlen oder eine sehr gepflegte Wohnanlage, die vor 18 Jahren errichtet wurde, mit einer Rendite von 6 Prozent zu erwerben, dann entscheide ich mich für Letzteres. Die finanzierende Bank sah die Immobilie übrigens genauso positiv und finanzierte – allerdings bei einem zugegebenermaßen sehr hohen Eigenkapitalanteil – für 1,28 Prozent.

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