Bezirksporträt Lichtenberg: Ein Bezirk mit Geschichte

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Das Wappen des Bezirks Lichtenberg aus dem Jahr 2006 steht symbolisch für zahlreiche Besonderheiten des Bezirks. So verweist das Feld mit der Sonne hinter dem Berg auf die erhöht gelegene helle Lichtung, die dem Bezirk seinen Namen gab, und das untere Feld mit den drei Ähren steht für die drei historischen Dörfer Malchow, Wartenberg und Falkenberg.

Das Erscheinungsbild und die Atmosphäre Lichtenbergs sind in besonderer Weise durch die historische Entwicklung des Bezirks geprägt. Über die Grenzen der Hauptstadt hinaus besitzt Lichtenberg national- und weltgeschichtliche Bedeutung: Im Offizierskasino im Ortsteil Karlshorst wurde am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation Deutschlands unterzeichnet. In den Gefängnissen des Ministeriums für Staatssicherheit wurden ab 1951 zahlreiche DDR-Oppositionelle inhaftiert, und mit der Errichtung der ersten Beton-Häuser in den 1870er Jahren begann die Zeit Lichtenbergs als „Experimentierfeld der Architektur“. Spuren dieser historischen Entwicklung sind bis heute in vielen Teilen Lichtenbergs zu finden.

Seiner Vergangenheit als Stasi-Zentrum und Hochburg des Rechtsextremismus begegnet der Bezirk erfolgreich mit dem Bundesprogramm „Vielfalt tut gut. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“. Mehr als 120 Projekte wurden seitdem realisiert. Tausende Menschen kamen zu Demonstrationen, Konzerten, Festen und anderen Veranstaltungen, um ein Zeichen zu setzen. Mit Erfolg: Die Zahl rechter Gewalttaten ist seit Beginn des Programms im Jahr 2007 um mehr als 50 Prozent zurückgegangen.

Architektur erkunden und erleben

Doch nicht allein die historischen Stätten prägen Lichtenberg, sondern auch seine sehenswerten Stadtlandschaften. Neben Altbauquartieren und Villenvierteln finden sich malerische Dorfkirchen genauso wie großstädtische Straßenzüge. Der Bezirk galt und gilt als Experimentierfeld der Architektur. 1872 sorgte die erste in Beton errichtete Wohnsiedlung der Welt für Aufsehen. In der Victoriastadt wurden aus einem Gemisch aus Zement, Sand und Schlacken preisgünstige Wohnungen für die Arbeiter der in Rummelsburg und Friedrichsfelde entstehenden Fabriken geschaffen. Als der Bauträger seine Tätigkeit im Jahre 1875 einstellte, geriet der neue Baustoff zunächst für Jahrzehnte in Vergessenheit.

In den 1920er Jahren begann die Zeit des „Neuen Bauens“. Das Charakteristische dieser Zeit waren die klare Sachlichkeit und der streng kalkulierte Funktionalismus. Das Wohnen sollte zweckmäßig und bezahlbar sein und die Lebensqualität der wenig verdienenden Schichten in der Bevölkerung nachhaltig verbessern. Die eindrucksvollste Wohnanlage dieser Zeit ist der „Sonnenhof“ von Erwin Gutkind. Die lichtdurchfluteten Wohnungen, Ladengeschäfte und die Kindertagesstätte erfüllen bis heute die Erwartungen von Familien und erfreuen sich großer Beliebtheit.
In die Zeit der regen Wohnungsbautätigkeit fällt 1926/27 auch die Entstehung der Splanemann-Siedlung. Erstmals wird dabei in Deutschland mit der Großplattenbauweise experimentiert. Die einzelnen Platten werden zu dieser Zeit noch vor Ort gegossen, getrocknet und montiert. Doch das Experiment erfüllt nicht die Erwartungen der Architekten und Stadtplaner. Die Betonplatten waren zu schwer, der Kran war zu unbeweglich und die Gleichheit der Häuser wurde von vielen als unerträglich empfunden. Die Kritik führt dazu, dass auch diese Bauweise zunächst lange Zeit ruhte. Erst in den 1970er Jahren entstand in der ehemaligen DDR – im heutigen Ortsteil Fennpfuhl – die erste Großsiedlung in Plattenbautechnik. 

Raum für experimentelle Architektur bietet Lichtenberg bis heute. So erregt das „Castello“ in Fennpfuhl mit seiner ungewöhnlichen Architektur in Stahl und Glas ebenso die Aufmerksamkeit wie die „Schiefen Häuser“ mit ihren stürzenden Fassaden in Rummelsburg oder das Dach des Bürocenters die „Welle“ in der Bornitzstraße.

Wohnen für kleine Budgets

Als Experimentierfeld der Architektur bietet Berlin-Lichtenberg seinen Bewohnern eine bunte Mischung aus Alt- und Plattenbauten sowie Villen und Einfamilienhäusern. In Lichtenberg, Fennpfuhl und Friedrichsfelde dominiert der Plattenbau, die vereinzelten Altbauten sind dazwischen versteckt. Die Siedlungen überzeugen durch ihre attraktive Lage: Sie liegen oft ein Stück außerhalb des S-Bahnrings, aber noch nicht am Stadtrand, und verfügen über eine gute lokale Infrastruktur und Verkehrsanbindung. Vor allem in Friedrichsfelde sind die Gebäude modernisiert und mit viel Grün durchsetzt. In Karlshorst finden sich vornehmlich Villen und Einfamilienhäuser. In Rummelsburg kamen zu den Gründerzeitaltbauten in den vergangenen Jahren moderne luxuriöse Wohnungen hinzu. Die Rummelsburger Bucht war in den 1990er Jahren eine der großen Berliner städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen.

Von der sogenannten Wasserstadt einmal abgesehen, bietet Lichtenberg günstigen Wohnraum. Die Bewohner müssen weniger als ein Viertel ihrer Kaufkraft für Miete und Nebenkosten aufbringen. Aber auch im Süden des Bezirks, in Karlshorst und Rummelsburg, sowie im äußersten Norden liegt die Wohnkostenquote aufgrund der relativ hohen Kaufkraft der Bevölkerung unter dem Berliner Durchschnitt. Die Schwerpunktmiete liegt im Durchschnitt bei gerade einmal 4,90 Euro pro Quadratmeter in Standardwohnlagen und bei 5,75 Euro in Vorzugswohnlagen.

Industrie und Gewerbe als Entwicklungsfaktoren

Der Wohnungsbau in Lichtenberg wurde und wird maßgeblich durch die Gewerbe- und Industrieansiedlung beeinflusst. Eines der wichtigsten Industriegebiete war der heutige Gewerbepark Klingenberg in der Rummelsburger Bucht. Auf dem Gelände der Hauptstraße 13 befand sich früher das Zentrum deutscher Industriegeschichte. Dort gründete Paul Mendelssohn Bartholdy – ein Sohn des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy – zusammen mit Alexander Marius die Gesellschaft für Anilinproduktion. Nach einigen Umfirmierungen und Fusionen wurde aus dieser Gesellschaft 1897 das bis heute bekannte Warenzeichen „Agfa“ und 1925 die Aceta GmbH, die eine der wichtigsten Erfindungen unserer Zeit hervorbrachte. Denn hier gelang dem Chemiker Paul Schlack 1938 die Herstellung des Perlon, einer Kunststofffaser für die industrielle Produktion, die als deutsche Alternative zu Nylon galt und seinerzeit vor allem für die Herstellung von Damenstrümpfen genutzt wurde. Die geschichtsträchtigen Industriegebäude der Aceta GmbH stehen heute unter Denkmalschutz. Vor einigen Jahren wurden sie umfassend restauriert und beherbergen heute mehr als zwei Dutzend Unternehmen aus verschiedenen Branchen.

Dass Industrie und Gewerbe bis heute eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Bezirks spielen, zeigt die Entstehung des größten Industrie- und Gewerbeareals im Nordosten der Hauptstadt auf dem Gebiet der beiden Stadtbezirke Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf. Über 2.500 Unternehmen sind auf dem 1.200 Hektar großen Areal in „Berlin eastside“ ansässig. Handel, Gastgewerbe, Verkehr, Produktion, Dienstleistungen, Gesundheitswirtschaft, Solar- und Laserindustrie – das Branchenspektrum ist weit gefächert. Die Beliebtheit von „Berlin eastside“ beruht auf den Synergieeffekten mit ansässigen Unternehmen. Zudem lockt die Nähe zu Universitäten und Fachhochschulen und die verkehrsgünstige Lage. Sowohl die Innenstadt als auch der Großflughafen BBI sind in nur 20 Minuten Fahrzeit erreichbar.

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