Bezirksporträt Marzahn-Hellersdorf: Vorurteile widerlegen

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„Alles sieht gleich aus“, „nur Schlamm und Dreck“, „kein Grün“ – mit Vorurteilen wie diesen sieht sich der Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf seit der Entstehung seiner Großsiedlungen konfrontiert. Doch seit die Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung am 5. Januar 1979 den Startschuss für die Bildung des neuen Bezirks Marzahn gab, hat sich vieles verändert. Im Rahmen des Stadtumbauprogramms Ost wurden in den vergangenen zehn Jahren rund 4.500 Wohnungen abgerissen. Mit diesem Rückbau gingen verschiedene Aufwertungsmaßnahmen einher. Die farbigen Fassaden an den Wohngebäuden, die Anlage neuer Grünflächen, die Eröffnung neuer Einkaufszentren und das größte zusammenhängende Gewerbegebiet Berlins geben dem Bezirk Marzahn- Hellersdorf heute ein neues Gesicht und widerlegen viele der früheren Vorurteile.

Aus der Großsiedlung gewachsen

Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf besteht aus den fünf Ortsteilen Hellersdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf, Biesdorf und Marzahn. Diese zählten ursprünglich zusammen mit den Ortsteilen Lichtenberg und Friedrichsfelde zum Bezirk Lichtenberg. Mit dem Bau der Großsiedlung stieg die Einwohnerzahl in Marzahn aber so stark an, dass aus den fünf Ortsteilen ein eigenständiger Bezirk gegründet wurde. Nachdem auch in Hellersdorf und Kaulsdorf Neubaugebiete errichtet wurden, wuchs die Zahl der Bewohner immer weiter an, so dass am 1. Juni 1986 aus den Ortsteilen Hellersdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf der neue Bezirk Hellersdorf gegründet wurde. Erst im Rahmen der Bezirksreform 2001 wurden die beiden Bezirke wieder vereint.

Demografie als Herausforderung

Die Großsiedlungen beeinflussten nicht nur die Entstehung des Bezirks, sondern auch dessen Altersstruktur. Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre zogen vorwiegend junge Familien mit kleinen Kindern in die 100.000 neuen Wohnungen. Mit einem Durchschnitts- alter von gerade einmal 24 Jahren galt Marzahn als „Kinderstube“ Berlins. In den vergangenen Jahren gab es jedoch einen grundlegenden Wandel in der Bevölkerungsentwicklung – ein Wandel, der in dieser Art und Weise in keiner Region Deutschlands jemals stattgefunden hat. Mehr als 25 Prozent der Bewohner sind in den 1990er Jahren aus den Plattenbausiedlungen weggezogen. Dadurch hat sich das Durchschnittsalter der Bewohner auf rund 41 Jahre erhöht. Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil der älteren Bevölkerung in Marzahn-Hellersdorf um 190 Prozent steigen. Damit wird der Bezirk einen der höchsten Anteile an Rentnern in ganz  Berlin haben. Diese Entwicklung stellt den Bezirk vor neue Herausforderungen. Allein der Aus- und Umbau altersgerechter Wohnungen gewinnt dadurch erheblich an Bedeutung.

Ein erstes Projekt, das dieser Entwicklung Rechnung trägt, sind die „Ringkolonnaden“. Durch den Um- und Teilrückbau von Wohnungen entstanden ein Seniorenwohnheim und mehrere seniorengerechte Wohnungen. Dieses Projekt ist eines von vielen im Stadtumbauprogramm Ost, in dessen Rahmen nicht mehr benötigte Wohnungen abgerissen und rückgebaut werden. Zu den Vorzeigeprojekten gehören auch die „Ahrensfelder Terrassen“. Die unsanierten elfgeschossigen Wohngebäude wurden durch eine Mischung aus Komplettabriss und Teilrückbau zu einer lebendigen drei- bis sechsgeschossigen Stadtlandschaft umgeformt. Die Wohnungen verfügen heute über vielfältige Grundrisse und große Dachterrassen. Ziel solcher Projekte ist es, aus den kompakten Großsiedlungen differenzierte Stadtlandschaften und Quartiere zu schaffen. Langfristig sollen sich die beiden Plattenbaugebiete in Marzahn und Hellersdorf zu „grünen Städten“ in der Region entwickeln. Deshalb geht das Stadtumbauprogramm mit vielfältigen Maßnahmen zur Aufwertung des Wohnumfeldes wie der Gestaltung neuer Freiflächen einher.

Die niedrigste Wohnkostenquote Berlins

Das Straßenbild von Marzahn-Hellersdorf wird neben den Großsiedlungen aber auch von Ein- und Zweifamilienhäusern bestimmt. Die Eigenheimviertel finden sich vor allem im Süden des Bezirks in den Ortsteilen Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf. In diesen Gebieten erreichen die Angebotsmieten mit bis zu sieben Euro je Quadratmeter die höchsten Werte im Bezirk. Die Großsiedlungen in den Ortsteilen Marzahn und Hellersdorf sind dagegen vor allem für Mieter mit kleinen Budgets attraktiv, denn hier liegen die mittleren Angebotsmieten bei unter fünf Euro je Quadratmeter. Entgegen manchen Erwartungen schneiden die Haushalte in Marzahn- Hellersdorf hinsichtlich der Kaufkraft sehr gut ab: Die Ortsteile mit vielen Eigenheimen gehören zum obersten Zehntel in Berlin. Die Plattenbaugebiete finden sich im Mittelfeld wieder, da es auch hier viele Haushalte mit Doppelverdienern gibt. Aufgrund der niedrigen Mieten bei guter Kaufkraft hat Marzahn-Hellersdorf die niedrigste Wohnkostenquote in ganz Berlin. Biesdorf und Mahlsdorf belegen mit einer Wohnkostenquote von gerade einmal 17,2 beziehungsweise 17,3 Prozent die Spitzenplätze.

Auch wenn Marzahn-Hellersdorf mit seinen Großsiedlungen gewachsen ist, so hat der Bezirk doch weit mehr zu bieten. Das Erscheinungsbild wird auch durch die vielen Grün- und Freiflächen geprägt. Rund 20 Prozent der Bezirksfläche bieten Bewohnern und Besuchern die Möglichkeit, die Natur zu genießen. Zu den bekanntesten und beliebtesten Naherholungszielen zählen die „Gärten der Welt“. Sie befinden sich in dem 21 Hektar großen Erholungspark Marzahn, der 1987 für die „Berliner Gartenschau“ angelegt wurde. Bis heute gibt es acht „Gärten der Welt“: den chinesischen Garten des wiedergewonnenen Mondes, den japanischen Garten des zusammenfließenden Wassers, den balinesischen Garten der drei Harmonien, den orientalischen Garten der vier Ströme, den koreanischen Seouler Garten, den Irrgarten, den Karl-Foerster-Staudengarten sowie den italienischen Renaissancegarten. Noch in diesem Jahr soll ein weiterer Garten, der christliche Garten, hinzukommen.

Ein innovativer Industrie- und Gesundheitsstandort

Für Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle ist Marzahn- Hellersdorf  nicht  nur  ein  Bezirk  zum Wohnen und Verweilen, sondern  gleichermaßen  auch  ein  Ort  der Wirtschaft  und  der  Arbeit.  Die  Niederlassung  großer Unternehmen wie der Harry-Brot GmbH und der ALBA AG oder die Entstehung des größten zusammenhängenden Gewerbeareals der Hauptstadt  belegen  ihre Einschätzung.  Mit  rund  1.200  Hektar  Gewerbefläche, zehn etablierten Gewerbeparks, 2.500 Unternehmen und über 7.000 Mitarbeitern ist das Gewerbeareal  berlin eastside von besonderer Bedeutung. Der Ausbau eines neuen Gewerbeparks – des Clean Tech Business Parks – ist eines der wichtigsten Bauprojekte des Bezirks in den kommenden Jahren. Insgesamt 24 Millionen Euro Fördermittel werden für die Schaffung einer sehr guten Infrastruktur in diesem Gewerbepark bereitgestellt. So soll sichergestellt werden, dass Photovoltaik-Unternehmen dort ideale Voraussetzungen für ihre Geschäftstätigkeit finden.

Marzahn-Hellersdorf ist darüber hinaus einer der bekanntesten Gesundheitsstandorte Deutschlands. Das Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn und die Augenklinik Marzahn besitzen bundesweit einen ausgezeichneten Ruf. Durch die vielen medizinischen Einrichtungen ist die Gesundheitswirtschaft der zweitgrößte Arbeitgeber im Bezirk.

 

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