Bezirksporträt Neukölln: Herausforderungen anpacken und erfolgreich meistern

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Nichts ist beständiger als der Wandel. Besonders deutlich wird die Dynamik Berlins im Stadtteil Neukölln. Wurde der Bezirk noch vor Jahren als ein Quartier mit Segregations- und Integrationsproblemen wahrgenommen, ist Neukölln heute der neue Berliner In-Bezirk. Im nördlichen Teil des Bezirks, zwischen Landwehrkanal im Norden, dem ehemaligen Flughafen Tempelhof im Westen und den Alt-bauquartieren Treptows im Osten entsteht eine neue, lebendige Kreativszene, die sogar international als „vibrant neighbourhood“ wahrgenommen wird. Junge Bewohner mit Laptop-Tasche gehören zwischenzeitlich genauso zum Straßenbild wie Mütter mit Kinder-wagen, die angezogen sind von den günstigen Mieten und der aufkommenden Kreativszene mit immer neuen Cafés, Clubs und Galerien. Leerstehende Wohnungen sucht man etwa rund um die Schillerpromenade vergebens. Investoren konzentrieren sich auf Neukölln als neue Gentrifizierungslage in der deutschen Hauptstadt. Die Stimmung ist ähnlich der in Prenzlauer Berg oder Friedrichshain vor 10 Jahren.

Millionen für Entwicklung und Integration

In den Medien wird der Berliner Bezirk Neukölln häufig als Beispiel für ein ganzes Bündel sozialer Probleme genannt: hohe Arbeitslosigkeit, hoher Anteil ausländischer Mitbürger, hohe Gewaltbereitschaft. Diese negative Wahrnehmung Neuköllns geht auf Vorfälle in einigen wenigen Gebieten Nord-Neuköllns zurück. Sie lässt sich jedoch nicht auf den gesamten Bezirk übertragen, denn die soziale Realität ist sehr viel vielfältiger und komplexer, als die Medienberichterstattung vermuten lässt. Da Menschen aus über 30 verschiedenen Nationen in Neukölln vereint sind, hat der Berliner Senat Teile des Bezirks als „Gebiete mit besonderem Entwicklungsbedarf“ ausgewiesen. Deshalb stellen der Bund und das Land Berlin für die Jahre 2007 bis 2013 insgesamt 151 Millionen Euro für die Etablierung eines Quartiersmanagements und Integrationsprojekte in diesen Gebieten zur Verfügung. Eines der erfolgreichsten Integrationsinstrumente ist das 2004 eingeführte Projekt „Stadtteilmütter in Neukölln“. Frauen und Mütter mit Migrationshintergrund sind für Familien aus den eigenen Stadtteilen direkter Ansprechpartner, wenn es um Themen wie Sprache, Arbeit, Erziehung oder Gesundheit geht. Der Erfolg des Projektes spricht für sich: Der Bezirk Wedding hat das Projekt mittlerweile ebenfalls eingeführt und 2008 wurden die „Stadtteilmütter“ mit dem Metropolis Award ausgezeichnet. Dieser Preis wird von Vertretern verschiedenster Weltmetropolen für herausragende und bemerkenswerte Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Lebensqualität in den Weltstädten verliehen.

Gropiusstadt ist begehrtes Quartier

Das Quartiersmanagement im Bezirk Neukölln umfasst jedoch noch sehr viel mehr Maßnahmen und Projekte als nur die „Stadtteilmütter“. Die 1975 fertiggestellte Gropiusstadt beherbergt rund 50.000 Menschen unterschiedlicher Nationalität: Deutsche, Türken, Libanesen, Palästinenser, Osteuropäer und Afrikaner leben hier unter einem Dach. Die Verständigungsschwierigkeiten und die unterschiedlichen Lebensformen erschweren jedoch das nachbarschaftliche Miteinander. Die Einrichtung des Quartiersmanagements lässt den Ortsteil wieder aufleben: Mit Hilfe der ansässigen Partner – dazu zählen Jugendeinrichtungen, Schulen und Wohnungsbaugesellschaften – werden Möglichkeiten geschaffen, diese Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Die vielfältigen Integrations-, Freizeit-, Beratungs- und Bildungsangebote wirken sich positiv auf die Atmosphäre und das Wohnumfeld in der Gropiusstadt aus. Inzwischen ist das Quartier bei Mietern wieder begehrt. Die Häuser in der Gropiusstadt weisen bis zu 19 Etagen auf und bieten helle, komfortable Wohnungen zu relativ günstigen Mieten. Saubere Grünflächen, eine gute Versorgung mit den Dingen des täglichen Bedarfs, Kindergärten, Schulen, Ärzte- und Seniorenhäuser sowie eine sehr gute Infrastruktur und eine hervorragende Verkehrsanbindung begünstigen das Interesse vieler Berliner an der Gropiusstadt.

Vielfältige bauliche Strukturen

Neukölln erfüllt mit seinen unterschiedlichen baulichen Strukturen die verschiedenen Erwartungen seiner Bewohner. Während der Norden einen innerstädtischen Charakter aufweist, wirkt der Süden eher vorstädtisch, teilweise sogar ländlich. Im Norden des Bezirks, zwischen Ringbahn und Hermannplatz, dominiert Altbaubestand aus der Gründerzeit, der aus typischen Berliner Mietskasernen mit begrünten Hinterhöfen besteht. Südlich der Ringbahn prägen Einfamilienhäuser, vorstädtische Siedlungen und Großsiedlungen mit vielen Hochhäusern das Straßenbild.
Eine der bekanntesten vorstädtischen Wohnlagen ist die Hufeisensiedlung im Ortsteil Britz. Sie ist das bekannteste Beispiel für einen sozial motivierten Wohnungsbau im Neukölln der 1920er und 1930er Jahre. Die Siedlung besteht aus insgesamt 32 gleichartigen dreigeschossigen Hauseinheiten, die um eine weite Geländemulde in Form eines Hufeisens angeordnet wurden. Arbeiter und kleine Leute aus den lichtlosen Mietskasernen sollten in den hellen Wohnungen ein neues Zuhause finden. Bis heute ist die Hufeisensiedlung, die seit 2008 zum UNESCO-Welterbe gehört, mit ihrem hohen Grünanteil bei vielen Berlinern eine begehrte Wohnanlage.

Niedrige Wohnkostenquote

Bei der Betrachtung der Wohnsituation in Neukölln fällt auf, dass es ein starkes Qualitäts- und Preisgefälle innerhalb des Bezirks gibt. Die begehrtesten und teuersten Wohnungen befinden sich im Süden des Bezirks im Ortsteil Rudow und in „Kreuzkölln“. Dies ist jener Zipfel im äußersten Norden Neuköllns, der an zwei Seiten von Kreuzberg umgeben ist. War diese Gegend in der Vergangenheit eher ärmlich geprägt, ziehen nun vermehrt Studenten, Intellektuelle und Künstler dorthin. Die dadurch gestiegene Kaufkraft spiegelt sich in den Mieten wieder: die geforderten Quadratmeterpreise sind die höchsten im ganzen Bezirk. Auch die Wohnkostenquote ist in diesem Gebiet die höchste – allerdings liegt sie noch immer unter dem Berliner Mittelwert. Höchstens ein Viertel der örtlichen Kaufkraft müssen Mieter im Norden Neuköllns derzeit für eine Wohnung inklusive Betriebskosten aufwenden. Für die begehrten Wohnungen im Osten Rudows fällt die Wohnkostenquote aufgrund der höheren Kaufkraft noch niedriger aus. Hier liegt sie nur bei rund 17 Prozent – das ist der zweitniedrigste Wert in ganz Berlin.

Grundsätzlich ist das Wohnen in weiten Teilen Neuköllns auch für weniger zahlungskräftige Mieter erschwinglich. So werden einfache Wohnungen mitunter schon für knapp über vier Euro pro Quadratmeter angeboten. Die Schwerpunktmiete liegt laut IVD-Marktmietspiegel in einer Standardwohnlage bei 4,75 Euro pro Quadratmeter und in einer Vorzugswohnlage bei 5,50 Euro je Quadratmeter.

Wirtschaftsfreundlicher Bezirk

Die moderne und leistungsstarke Wirtschaft Neuköllns ist ein Pluspunkt, der Gewerbetreibende und Unternehmer besonders anspricht. Die Wirtschaft Neuköllns zeichnet sich durch ein breites Branchenspektrum, innovative Unternehmen und eine ausgewogene Mischung aus Klein-, Mittel- und Großbetrieben aus. Die hervorragende Infrastruktur mit direkter Anbindung an den Luft-, Wasser- und Straßenverkehr ist ein besonderes Merkmal des Wirtschaftsstandortes Neukölln. Zu den Traditionsbranchen im Bezirk zählen Elektroindustrie, Fahrzeugtechnik, Maschinenbau, Steuerungstechnik, Lebens- und Genussmittelindustrie sowie die chemisch-pharmazeutische Industrie. Biotronik, Philip Morris, Kraft Foods und Viessmann gehören zu den bekanntesten Unternehmen, die sich im Bezirk Neukölln niedergelassen haben. Die derzeit rund 5.500 Betriebe schätzen besonders die wirtschaftsfreundliche Ausrichtung des Bezirks. So liegt die Zuständigkeit für die Wirtschaft direkt beim Bezirksbürgermeister, die kommunale Wirtschaftsförderung ist sehr gut aufgebaut und ein Existenzgründerpreis wird bereits seit mehreren Jahren vergeben.

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