Corona-Krise: Ist mal wieder der Kapitalismus schuld?

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Dr. Dr. Rainer Zitelmann
Dr. Dr. Rainer Zitelmann

In jeder Krise suchen die Menschen nach Sündenböcken. Das war schon immer so in der Geschichte. Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit wurden in Europa 60.000 bis 80.000 Frauen als Hexen verbrannt. Man hatte ihnen die Schuld an Naturkatastrophen und Seuchen gegeben. Auch Juden dienten immer wieder als Sündenböcke – man beschuldigte sie zum Beispiel, Brunnen zu vergiften, und machte sie verantwortlich für die Pest, für Wirtschaftskrisen und andere schlimme Ereignisse.

Sündenbockdenken

Auch in der Corona-Krise suchen die Menschen nach Sündenböcken. In China und Russland wird die Theorie verbreitet, das Virus sei in US-amerikanischen Labors entstanden, in Amerika wird China beschuldigt und in arabischen Ländern werden reiche jüdische Familien wie etwa die Rothschilds verdächtigt. Viele Verschwörungstheoretiker sehen Bill Gates, einen der reichsten Menschen der Welt, als Schuldigen. Dabei hat Gates vor fünf Jahren bereits eindringlich vor einer Pandemie gewarnt, wie wir sie jetzt haben – aber aus dem Warner vor dem Virus wird nun der Urheber des Virus gemacht.

Der Kapitalismus und Superreiche sind besonders beliebt als Sündenböcke für die Corona-Krise. Für mein Buch „Die Gesellschaft und ihre Reichen“ hat das Meinungsforschungsinstitut Ipsos Mori je 1.000 repräsentativ ausgewählten Personen in den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland folgende Aussage vorgelegt: „Superreiche, die immer mehr Macht wollen, sind schuld an vielen Problemen auf der Welt, z. B. an Finanzkrisen oder humanitären Krisen.“ In den USA stimmten 25 Prozent der Befragten dieser These zu, in Großbritannien 21 Prozent, in Frankreich 33 Prozent und in Deutschland sogar 50 Prozent. Ein Ergebnis der Studie ist, dass besonders Menschen mit starkem Sozialneid zu diesem Sündenbockdenken neigen.

Weltweit hoffen Antikapitalisten, die Corona-Krise könne endlich das lang ersehnte Ende des Kapitalismus einläuten. Ob in den USA, Großbritannien, Frankreich oder Deutschland: Die Argumentation der antikapitalistischen Intellektuellen ist überall gleich. Sie hatten eigentlich schon gehofft, dass die Finanzkrise von 2008 zu einem Zusammenbruch des Kapitalismus führen werde. Doch damals, so ihr Argument, sei es dem Kapitalismus und dem Neoliberalismus noch einmal gelungen, sich zu retten. Diesmal könne – und solle – es anders sein. Das Corona-Virus ist für sie ein Hoffnungsträger im Kampf gegen den Kapitalismus.

Wirtschaftlich freieste Länder werden am besten mit Corona fertig

Gegen die These, dass der Kapitalismus an der Corona-Krise schuld sei, spricht eine Mitte April veröffentlichte Untersuchung der Thinktanks Deep Knowledge Group. Sie zeigt, welche Länder ihre Bürger am besten vor dem Virus schützen. Was auffällt: Von sechs Ländern, die laut dem Ranking der Heritage-Foundation zu den wirtschaftlich freiesten Ländern der Welt gehören, sind fünf unter den Staaten, die dem Deep-Knowledge-Ranking zufolge am besten mit dem Corona-Virus fertig werden, nämlich Australien, Neuseeland, Singapur, Hongkong und die Schweiz.

Für die Zeit nach Corona fordern Antikapitalisten höhere Steuern, noch mehr Regulierung, einen „Green New Deal“ und andere Maßnahmen, die alles eines gemeinsam haben: Der Staat soll noch mächtiger werden. „Mehr staatliche Regulierung hilft mehr“ ist der Glaube aller Sozialisten. Zu denken geben sollte ihnen jedoch: Die beiden am stärksten regulierten Wirtschaftszweige auf der ganzen Welt sind die Finanzindustrie und das Gesundheitswesen. In keinem Bereich gibt es so viele staatliche Vorschriften, so viel Bürokratie, so viele Formulare, die ausgefüllt werden müssen, so wenig wirtschaftliche Freiheit. Aber genau diese beiden Wirtschaftszweige sind diejenigen, die am schlechtesten funktionieren, und zwar auf der ganzen Welt. Sie sind besonders anfällig für Krisen und funktionieren besonders schlecht – nicht trotz, sondern wegen der hohen Regulierung.

Wenn mehr Staat und mehr Regulierung zu mehr wirtschaftlicher Effizienz führen würden, dann wären die Systeme in Nordkorea, Venezuela und Kuba (das sind die drei Schlusslichter im Ranking der wirtschaftlichen Freiheit durch die Heritage-Foundation) die effektivsten. Die Corona-Krise hat aber auch eine große Schwäche der Systeme in den USA und Europa offengelegt: Dort, wo der Staat stark sein sollte – zum Beispiel in der Krisenprävention –, hat er sich als sehr schwach erwiesen. Umgekehrt: Dort, wo der Staat schwach sein sollte – etwa im Bereich der Wirtschaft –, ist er viel zu stark. Der Staat sollte sich wieder auf seine Kernaufgaben konzentrieren, also auf Themen der äußeren und inneren Sicherheit, wozu auch die Prävention für Epidemien und Pandemien gehört. Hierbei haben die meisten Staaten versagt. Es ist wie bei einem Unternehmen: Wenn eine Firma vergisst, was ihre Kernkompetenz ist, und sich stattdessen mit allen möglichen Nebenaktivitäten verzettelt, wird sie schließlich untergehen. Um es überspitzt zu sagen: In der Obama-Zeit hat sich der US-amerikanische Staat mehr mit Themen wie „Transgender-Toiletten“ beschäftigt als mit der Vorbereitung auf eine Pandemie. Das Ergebnis: Am Ende gibt es genug Transgender-Toiletten, aber nicht genug Atemmasken und Beatmungsgeräte für den Notfall.

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