Energie und ESG – auf die Visionskraft kommt es an

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Norman Schaaf, COO Cells Group

Nicht nur bei den Baustoffen müssen Projektentwickler im Zuge der Energiewende neue Wege finden – auch die Bewirtschaftung über die gesamte Lebensdauer einer Immobilie ist mitentscheidend für die Nachhaltigkeit einer Immobilie. Noch wichtiger sind jedoch Mut und kreative Lösungen.

Die Grundidee ist so simpel wie genial: Ein Haus, das unter dem Strich keine Energie verbraucht, sondern sogar welche zur Verfügung stellt. Auch wenn mittlerweile klar sein dürfte, dass auch im 21. Jahrhundert kein Perpetuum Mobile zu erwarten ist, könnten mit bereits existierenden Technologien in naher Zukunft energieautarke Gebäude entstehen. Für Ingenieure wie für Bauherren verbinden sich damit zentrale Fragen um die Kosten und den Nutzen solcher Lösungen – welcher Ansatz ist wirklich Erfolg versprechend, welche Schwierigkeiten sind zu erwarten, was fehlt zum nächsten Entwicklungsschritt?

Nichts geht ohne Sensortechnik und Vernetzung

Eine wesentliche Gewissheit vorweg: Nicht nur in Sachen Komfort, sondern auch bei der Nachhaltigkeit wird dem aktiven Energiemanagement in Zukunft eine große Rolle zukommen. Das mag zunächst paradox klingen, denn weltweit arbeiten viele Architekten und Ingenieure unter Hochdruck an Möglichkeiten, mit passiven Methoden den Energie- und Wärmehaushalt eines Hauses zu optimieren – und zusätzliche Elektronik mitsamt ihrer Rechenleistung verbraucht natürlich zunächst zusätzlichen Strom.

Doch andererseits ist dieser Ansatz keineswegs neu: ob die Verwendung von Flusswasser für die Brauchwasserversorgung eines Hauses, die Kombination aus Treib- und Wohnhaus oder die Ausnutzung isolierender Erdschichten in sogenannten Earth Ships – spätestens seit den 1970er-Jahren hat die Bauforschung verschiedenste Lösungen erprobt, von denen es einige in die Praxis geschafft haben. Und so wichtig dieser Beitrag auch ist, und so wirkungsvoll beispielsweise eine gute Verschattung durch Außenjalousien gegenüber der energieintensiven Klimatisierung eines Hauses ist: Die allermeisten dieser Ansätze brachten nur kleine Effekte mit sich. Erst ihre Kombination und intelligente Steuerung verspricht einen echten Entwicklungssprung.

Photovoltaik – vom Hoffnungsträger zum Rohrkrepierer?

Ebenfalls lang erprobt und bisher doch nur selten als Allheilmittel gesehen ist die Photovoltaik. Anfang der 2000er-Jahre galt sie vielen noch als großes Versprechen auf eine emissionsfreie Zukunft, doch die Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten. Denn die Effektivität einer solchen Anlage hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ausschlaggebend dafür, wie viel Strom eine Photovoltaikanlage generiert, ist unter anderem der regionale Standort. Für Europa gesprochen heißt das: Je südlicher ein Standort liegt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer intensiveren Sonneneinstrahlung – und damit eines großen Effekts der Anlage.

Neben der Lebensdauer einer solchen Anlage ist somit auch ihr Betrieb ein limitierender Faktor: Der Neigungswinkel des Dachs, mögliche Verschmutzungsquellen im direkten Umfeld, zu wenig Wind, was eine effiziente Kühlung der Photovoltaikmodule verhindert, sodass sich ihr Wirkungsgrad verschlechtert – die Liste potenzieller Einschränkungen ist lang. Mit den entsprechenden Folgen für den früheren Hoffnungsträger: Trotz Förderung und rapide gesunkener Preise bleibt auch im ambitionierten Deutschland der Ausbau bisher hinter den Erwartungen zurück. 98 Gigawatt strebt die Bundesregierung als Gesamtleistung dieses Energieträgers in Deutschland bis 2030 an. Doch der dafür notwendige Ausbau ist in keinem der zurückliegenden Jahre erreicht worden.

Hybrides Konzept: Hochhaus und Windrad in einem

Bessere Neuigkeiten findet man hinsichtlich der Energieautarkie im Ausland und abseits der Photovoltaik. Im kleinen Bahrain auf der arabischen Halbinsel etwa wurde bereits 2007 der weltweit erste Netto-Null-Emissions-Wolkenkratzer angekündigt. Der „Burj al-Taqa“ sollte seine gesamte Energie selbst produzieren und in Spitzenzeiten sogar einen Überschuss generieren. Obwohl dieses Projekt der globalen Finanzkrise ab 2008 und wohl auch einigen technischen Möglichkeiten zum Opfer fiel, bleiben die Pläne ein beeindruckendes Projekt.

Denn dass sich solche ambitionierten Projekte in naher Zukunft tatsächlich umsetzen lassen könnten, beweist ein Hochhaus, das gewissermaßen als Vorbild diente: Das „Bahrain World Trade Center“, das 2008 eröffnet wurde und mit 240 Metern in Deutschland auf Platz zwei der höchsten Häuser läge, ist das weltweit erste Hochhaus mit einer integrierten Windkraftanlage. Drei Rotoren befinden sich an den Querstreben, die die beiden Gebäudeteile miteinander verbinden. Ich bin mir sicher: Die Anlagen, von denen sich die höchstgelegene etwa 125 Meter über dem Boden befindet, sind nur ein Vorgeschmack auf künftige Technologien – und ein Beweis dafür, was möglich ist, wenn Menschen ihren Visionen folgen.

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