Freiflächen zu Kommunikationsstätten

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Philipp Pferschy, Vorstand Gieag Immobilien AG

Die Entwicklung von Quartieren hat in Deutschland eine lange Tradition. Schon die Stadtplaner Anfang des vergangenen Jahrhunderts haben dieses Konzept bei ihren Entwicklungen bedacht. Impulsgeber waren damals die großen Industriebetriebe, wie Siemens, AEG oder die großen Stahlbetriebe, um die herum Werkssiedlungen gebaut wurden. In den vergangenen Jahren hat diese Idee eine Renaissance erlebt, vereint sie doch alles, was eine moderne Stadtentwicklung ausmacht: Gewerbe, Wohnen und Soziales. Zudem berücksichtigen durchdachte Quartiersentwicklungen ein völlig neues Lebensgefühl: Waren früher Familie und Beruf strikt getrennt, vermischen sich Arbeiten und Leben heutzutage immer deutlicher. Durch intelligente Konzepte lässt sich dieser Trend so abbilden, dass er statt als Belastung als Nutzen empfunden wird. Denn ist es nicht eigentlich ein schöner Gedanke, dass man von der heimischen Wohnung nur wenige Meter bis zum Büro zurücklegen muss und auf dem Weg noch schnell ein paar wichtige Besorgungen im nahe gelegenen Supermarkt machen und/oder das Kind in die Kita bringen kann? In der Mittagspause ein schneller Snack in der Gastronomie vor Ort. Und abends auf dem Weg zurück ins heimische Wohnzimmer schnell eine Runde Sport im Fitnessstudio.

 

BU: Ein gut durchdachtes Quartier fügt sich nicht nur in das bestehende Erscheinungsbild eines Viertels ein – es bietet einen echten Mehrwert. Nicht nur für die Bewohner, auch für die Anwohner

Das moderne Quartier wird zur eigenen kleinen Gemeinschaft. Aus Kollegen werden Nachbarn, aus Nachbarn werden Freunde. So die Idee. Und auch die Stadtplaner freuen sich, werden doch sämtliche, für eine funktionierende Stadt wichtigen Aspekte berücksichtigt. So verfügen die meisten Quartiere zudem über zeitgemäße Mobilitätskonzepte und bieten immer häufiger durch soziale oder kulturelle Einrichtungen einen wichtigen Mehrwert.

Plätze zu Teeküchen

Doch reicht es wirklich aus, dass sich Menschen dort auf dem Weg von A nach B begegnen? Werden so Kontakte geknüpft? Dafür braucht es mehr als ein vermeintliches Wir-Gefühl in Form eines ansprechenden Namens und einer gemeinsamen Adresse. Benötigt werden Orte, an denen man sich treffen, in Austausch treten oder gemeinsam aktiv sein kann. Und dafür bieten gerade gut durchdachte Quartiere die richtige Grundlage, denn dort wird den Freiflächen ebenso viel Aufmerksamkeit zuteil wie den Gebäudeensembles und deren „Innenleben“.

Um in den Dialog zu treten, bedarf es des richtigen Rahmens. Und diesen bieten Freiflächen zwischen den einzelnen Gebäuden. Allerdings genügt es nicht, diese einfach nur zur Verfügung zu stellen. Man muss sie ebenso entwickeln wie das Quartier selbst beziehungsweise als festen Bestandteil dessen. Dabei reicht es nicht aus, dass dort eine Grünfläche und drei Bänke zur Verfügung stehen – es braucht vielmehr ein Konzept, um den Austausch und die Begegnung zu fördern. Sei es in Form von Sport- und Spielplätzen, aber auch Ruhezonen sind elementar. Ein weiterer Trend ist das „Urban Gardening“, das man gut und mit wenig Aufwand in Quartieren umsetzen kann. Bei gemeinsamer Gartenarbeit, der Pflege von Blumen und Gemüse, wird nicht nur den Kindern Lehrreiches geboten, sondern Gemeinschaft spür- und gestaltbar. Damit kehrt der Quartiersplatz auch wieder zu seiner Ursprungsidee zurück – denn einstmals war er als Alternative zum eigenen Garten innerhalb der Stadt gedacht.

BU: Während viele Jahre auf eine möglichst dichte Bebauung gesetzt wurde, um Flächen optimal zu nutzen, zeichnen sich moderne Quartiere durch Raum für Begegnungen aus

Alte Ideen im neuen Gewand

Inzwischen kommt ihm eine völlig neue Bedeutung zu: Prof. Dr. Ludger Basten, Professor für Wirtschafts- und Sozialgeographie an der Technischen Universität Dortmund, sieht in der Gestaltung von Quartiersplätzen die Möglichkeit eines individuellen Identifikationspunkts für die Bewohner und das Viertel. Und um diese so zu gestalten, dass sie eben dieser Bedeutung wieder gerecht werden, braucht es in erster Linie eins: Den Mut, sich nicht an alten Mustern zu bedienen, sondern immer wieder individuell zu entscheiden, wo auf Erfahrungswerte zurückgegriffen werden kann – und wo es neue Ansätze und Ideen braucht. Man muss sich neuen Aufgaben stellen, Veränderungen und innovative Geschäftsideen wagen, um dem Wandel der Zeit gerecht zu werden. Und erst durch solch ein ganzheitliches Konzept wird aus der Entwicklung eines Objekts eine neue und erfolgreiche Assetklasse.

 

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