Interview mit Nina Reiter, Geschäftsführerin der Bernd Reiter Gruppe

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Nina Reiter, Geschäftsführerin der Bernd Reiter Gruppe

Frau Reiter, die Metropolen ziehen immer mehr Menschen an, doch der Wohnraum ist und bleibt knapp. Was macht Projektentwicklungen dort so schwierig?

Die stärkste Nachfrage in den Metropolen bezieht sich auf Stadtteile mit den besten Wohnbedingungen – Kultur, Freizeitmöglichkeiten, Arbeitsplatznähe, Infrastruktur. Deren Nachverdichtung reicht für die Nachfrage bei Weitem nicht aus –auch über die Konversion von Gewerbeflächen kommt man, selbst bei zügigen Änderungen des Bebauungsrechts, nicht auf die benötigte Fläche. Es ist daher nicht nur eine gute Projektentwicklung, sondern auch eine Stadtteil- oder Vorortentwicklung nötig, die bei Planung und Realisierung im besten Fall der Wohnraumnachfrage zuvorkommt. Diese Erkenntnis haben die Kommunen unterschiedlich schnell realisiert. Meistens muss der Projektentwickler – und damit auch der Endkunde –in Vorleistung gehen und hoffen, dass die Infrastruktur folgt.

Was bedeutet das für das Umland der großen Städte?

Die Wichtigkeit der suburbanen Umgebung von Metropolregionen rückt als vordringliches Thema der Wohnungswirtschaft in den Fokus. Aufgrund der guten Universitätsangebote, dem kontinuierlichen Bevölkerungswachstum und der hohen Beschäftigungsquote besteht in vielen Regionen eine enorme Wohnungsknappheit und demzufolge unbezahlbare Miet- und Kaufpreise. Die angespannte Marktlage ist nur zu bewältigen, indem die Menschen in angrenzende Städte ausweichen. Speckgürtel von Metropolregionen bleiben aufgrund der prosperierenden wirtschaftlichen Lage langfristig attraktiv. Das bedeutet: In den Randlagen muss zwingend mehr Wohnraum entstehen.

Sie entwickeln derzeit ein neues Wohnquartier mit rund 450 Wohnungen in Wesseling zwischen Köln und Bonn. Ist die Nachfrage in Ballungsgebieten tatsächlich so hoch, dass sich solche umfangreichen Projekte selbst in mittelgroßen Städten rentieren?

Wesseling ist keine klassische Mittelstadt, da Köln im wahrsten Sinne des Wortes fließend nach Wesseling übergeht. Köln-Wesseling-Bonn ist mit der Metropolregion Rhein-Ruhr vergleichbar. Die Nachfrage in diesem Ballungsgebiet nach bezahlbarem Wohneigentum ist enorm hoch, sodass große Nachfragergruppen nicht bedient werden können. Die niedrige Wohneigentumsquote, die wir immer noch haben, zeigt den riesigen unerschlossenen Markt und das Potenzial des Wohnstandortes Wesseling.

Wer sind die Nachfrager im Umland großer Städte? Junge Familien, Pendler?

In den Innenstädten fehlen nicht nur Apartments für Studierende und Pendler, sondern auch klassische 2- bis 5-Zimmer-Wohnungen und Einfamilienhäuser für Paare und Familien verschiedener Altersklassen. Bei den Nachfragern im Umland handelt es sich also um eine Vielzahl von Zielgruppen. Die Bereitschaft, für günstigeren Wohnraum zu pendeln, ist enorm gestiegen, sofern eine gute Infrastruktur vorhanden ist.

Was für ein Konzept muss man mitbringen, um diese Menschen von seinem Wohnprojekt zu überzeugen?

Zwei Kriterien sind für ein erfolgreiches Konzept ausschlaggebend:

Der Wohnungsmix – eine Variation verschiedener Wohnformen und Wohnungsangebote zur Schaffung eines vielfältigen Quartiers – sowie bezahlbare Miet- und Kaufpreise, die es in den Innenstädten nicht mehr gibt.

Im „Rheintal Quartier“ in Wesseling bieten wir für alle Alters- und Zielgruppen den passenden Wohnraum. Modulare Apartments, klassische 2- bis 5-Zimmer-Wohnungen, Mehrgenerationenkonzepte und Stadthäuser. Durch Grün- und Freiflächen sowie einen zentralen Quartiersplatz mit Wasserspielen entsteht eine hohe Aufenthaltsqualität − eine städtebauliche und inhaltliche Geschlossenheit beziehungsweise eine soziale Homogenität, die das Quartier zu einem lebenswerten Wohnstandort machen.

Sinnvoll ist es außerdem, wenn die geplante Projektentwicklung einen Beitrag zur Stadtentwicklung leistet, also zur räumlichen, strukturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt. Die Planungsziele der Stadt Wesseling wurden bei der Konzeption berücksichtigt.

Trotzdem ist selbst in Metropolregionen sicher nicht jeder Standort für ein großes Investment geeignet. Worauf achten Sie bei der Standortwahl?

Bei der Standortwahl ist die Infrastruktur ausschlaggebend, um mit U- und S-Bahn sowie Autobahnanschluss eine schnelle Erreichbarkeit der Innenstädte zu gewährleisten. Außerdem nahe gelegene Einkaufsmöglichkeiten, Kindergärten, Schulen und Freizeitangebote.

Was ist für Immobilieninvestoren im Umland von Metropolen attraktiver: Bestand oder Neubau?

Bei Investoren ist ein Wandel zu erkennen – nachdem die Preise für Bestandsimmobilien in den vergangenen 18 Monaten stark angestiegen sind, ist der Neubau, wenn Kauf- und Mietpreise im passenden Verhältnis stehen, auch im Umland wieder deutlich stärker nachgefragt.

Der Begriff „Schwarmstädte“ geht um. Sehen Sie Potenzial in Städten jenseits der klassischen Ballungsgebiete?

Der Begriff der „Schwarmstadt“ definiert ein neues Wanderungsmuster in Deutschland. Das Forschungsinstitut Empirica beschreibt, dass insbesondere die jüngere Bevölkerung (18 bis 35 Jahre) wie Vögel aus den meisten Regionen Deutschlands aufsteigen, als Schwarm in vergleichsweise wenige „Schwarmstädte“ einfallen und dort für knappen Wohnraum sorgen, während sich die Abwanderungsregionen zunehmend entleeren. Im Gegensatz zu früher verteilt sich dieser „Schwarm“ nicht mehr nur auf deutsche Großstädte, sondern vermehrt auch in deren unmittelbare Randgebiete.

Das bedeutet, dass die Immatrikulation bei einer Universität nicht mehr zwingend zu einem Wohnortwechsel in die Hochschulstadt führt, sondern aufgrund der aktuellen Marktsituation (enorme Wohnungsknappheit, sehr hohe Miet- und Kaufpreise, höhere Pendelbereitschaft) zu einem Umzug in die Randgebiete. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Städte jenseits der klassischen Ballungsgebiete, die über eine entsprechend gute Anbindung und Infrastruktur verfügen, ein hohes Potenzial besitzen, die neuen „Schwarmstädte“ zu werden.

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