Russisches Roulette auf der Expo?

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Dr. Josef Girshovich, Gesellschafter der PB3C GmbH

Kaum ist die Expo Real vorbei, fallen auch schon weltweit die Aktienkurse. Ob es da eine Korrelation gibt? Und was wäre eigentlich, wenn der Kursrutsch in Frankfurt und New York bereits während des größten Branchentreffs auf dem Münchner Messegelände begonnen hätte? Fest steht, dass die Expo dieses Jahr einen Besucher- und Ausstellerrekord erlebt hat. Insgesamt waren 2.095 Unternehmen, Städte und Regionen mit Ständen vertreten – das sind knapp hundert Aussteller mehr als im vergangenen Jahr. Zudem stieg die Besucherzahl um 6,6 Prozent auf fast 45.000. Rekorde also, aber ob es auch zu einem Rekordjahr für die Immobilienwirtschaft kommt, garantiert das noch lange nicht.

Bühne und Wachstum sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Einige Teilnehmer in München haben in den vergangenen Jahren deutlich an Muskelkraft zugelegt. Die Stände werden größer, wachsen, wo die Fläche nicht ausreicht, in die Höhe (ganz wie im wahren Nachverdichtungsleben), die Ausgaben für Getränke, fliegende Buffets und sonstige Give-aways kennen kaum Grenzen. Auf der anderen Seite die emsigen Bienen. Viele kurze und gute Gespräche werden geführt, man sitzt in kleinen Kreisen und diskutiert Projekte. Die Frage nur: Sind das Anbahnungen oder Abschlüsse? Ist das Speed-Dating oder eine langfristige Beziehung?

Auffällig ist der Zuwachs an „Neuen“. Es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass es der deutschen Immobilienwirtschaft gut geht, dass der Markt trotz mancher Warnung solide und die Preise im internationalen Vergleich (mit Ausnahme Münchens) weiterhin erschwinglich sind. Dass es unter den Neuen auch Eintagsfliegen und Glücksritter geben muss, liegt auf der Hand. Freilich wäre auch Don Quijote nicht weit gekommen, wenn er nicht an seine fabelhafte Welt geglaubt hätte.

Bei allem Fantasiereichtum der Wirtschaft gilt es daher, die Obacht und Rücksicht der Finanzierer hervorzuheben. Anders als vor elf Jahren – als wir bereits den Point of not return der Finanzkrise erreicht hatten – verhalten sich die institutionellen Finanzierer derzeit äußerst vorsichtig – und noch vorsichtiger als in den vergangenen Jahren, eine geringere Zahl an Abschlüssen gern in Kauf nehmend. Kaum eine Finanzierung findet ohne hinreichend Eigenkapital statt, kein Forward Deal ohne konservative Due Diligence. Das kommt vor allem jenen Projekten und Unternehmen zugute, die erstens frühzeitig Marktumfeld und Marktpotenziale überprüft haben, sei es in house, sei es mit einem verlässlichen Partner, und zweitens dank eines erfolgreichen Track Records über das notwendige Eigenkapital verfügen.

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