Schwachpunkte der Mietrechtsnovelle rasch korrigieren

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Herr Schick, die Mitglieder des IVD haben Sie einstimmig zum Präsidenten des IVD gewählt. Was steht ganz oben auf Ihrer Agenda?
Für das große Vertrauen danke ich den IVD-Mitgliedern herzlich. Es ist gut, die nächsten Herausforderungen mit solch einem starken Rückhalt angehen zu können. Ganz oben auf der Agenda steht natürlich die dringende Aufgabe, die Mietrechtsnovelle 2.0 so wenig vermieterfeindlich auszugestalten wie möglich. Nach der die Eigentümer einseitig belastenden Mietpreisbremse und dem vermieterfeindlichen Bestellerprinzip darf es nicht zur Vollbremsung bei der nächsten Reform kommen, die das Justizministerium schon plant. Mietspiegel müssen rechtssicherer werden. Dabei darf die Mietpreisbremse aber nicht noch weiter verschärft werden. Der „qualifizierte“ Mietspiegel in Berlin hat zum Beispiel große Probleme mit den Lagekriterien. Dabei könnte das Problem sehr einfach gelöst werden, in dem wir auf die überall vorhandenen Bodenrichtwerte zurückgreifen, die sehr gut die verschiedenen Lagequalitäten wiedergeben. Aus ihnen lässt sich einfach ein Faktor ableiten, mit dem ein Mietzins multipliziert wird. Damit würden wir die Mietspiegel transparenter und aktueller machen. Politisch ausgekungelte Mieten halten vor Gericht ein Glück nicht Stand.

Umstritten ist auch die Energiesparverordnung. Tritt sie wie geplant in Kraft?
Bei der Energie-Einsparverordnung haben wir mit jeder neuen Verschärfung einen abnehmenden ökologischen Effekt. Die größten Einsparungen haben wir bereits erreicht. Die nächste Verordnung 2016 wird das Bauen dagegen um sieben Prozent teurer machen bei gleichzeitig nur noch geringen zusätzlichen energetischen Einsparungen. Diese Novelle sollte der Staat um drei Jahre nach hinten verschieben. Das aber reicht nicht, um zu mehr Neubau zu kommen. Die Kommunen müssen massiv Bauland ausweisen und nicht nur nach Höchstgebot vergeben. Außerdem brauchen wir eine echte Neubaukultur in Deutschland. Der Staat könnte eine dichtere Bebauung erlauben und eine andere Mischung aus Wohnen und Gewerbe. Gleichzeitig sollte man unsinnige Regulierungen wie überdachte Fahrradstellplätze oder den Zwang zur Fassadenbegrünung verhindern. Aber auch die Bürger sind gefragt. Alle sagen zwar: Ja, bauen ist wichtig, aber bitte nicht in meiner Nachbarschaft. Das ist ein riesiges Problem.

In der Berichterstattung über das Bestellerprinzip kommen die Makler oft schlecht weg. Wie wollen Sie das Ansehen des Berufsstands verbessern?
Über höhere Qualitätsstandards in der Branche. Deshalb setzen wir uns seit Langem dafür ein, dass ein Sach- und Fachkundennachweis für Makler und Verwalter gesetzlich festgeschrieben wird. Jetzt liegt der Gesetzentwurf vor. Zwar sind die Standards niedriger, als wir uns das vorgestellt haben. Dennoch ist das ein Meilenstein für die Branche. Wir gehen als Immobilienverband IVD von dem Mindeststandard des Ausbildungsberufs Immobilienkaufmann/-kauffrau aus, um sich als Makler oder Verwalter selbständig machen zu können. Auch wollen wir nicht nur die WEG-Verwalter der Sach- und Fachkundeprüfung unterzogen wissen, sondern alle Immobilienverwalter. Und für die Makler bemühen wir uns um die Anerkennung der europaweit geltenden DIN-Norm 15733, die klar festschreibt, was Verbraucher von ihrem Immobiliendienstleister erwarten dürfen.

Vielen Dank für das Interview.

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