Stadtteilporträt Wannsee: Ein Ort zum Seele-baumeln-lassen

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„Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein und dann nischt wie raus nach Wannsee…“

Im Jahr 1951 machten diese Zeilen aus der Sängerin Conny Froboess einen gefeierten Kinderstar – und den Berliner Ortsteil Wannsee über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Doch nicht erst seit jener Zeit locken der Kleine und der Große Wannsee mit ihren Badestränden sowie die Segel- und Ruderstrecken Besucher und Einheimische in den Südwesten Berlins. Der Ortsteil Wannsee gilt schon seit seiner Gründung als ein Paradies zum Erholen, Wohnen und Arbeiten. Seit der Kaiserzeit ließen sich die Größen aus Politik, Wirtschaft und Kultur dort nieder, errichteten noble Villen und prägten die Höhen und Tiefen in der Geschichte Wannsees.

Eine Vision nimmt Form an

Bis zum Beginn der Industrialisierung waren die Gegend rund um den Wannsee und das kleine Dorf Stolpe weitgehend unbesiedelt. Erst durch die Visionen des Berliner Bankiers Wilhelm Conrad entwickelte sich das Gebiet zu einer attraktiven Villenkolonie. 1863 erwarb der Naturfreund dort sein erstes Stück Land, vergrößerte seinen Besitz in den folgenden Jahren und errichtete schließlich die Villa Alsen – der Startschuss für die Besiedlung und Gründung der Villenkolonien in Wannsee.

Conrad träumte von der Errichtung einer Landhauskolonie, wo die wohlhabenden und stadtmüden Berliner ihre Sommermonate in der Natur und auf dem Wasser verbringen könnten. Er verstand es, seine Idee umzusetzen, und verkaufte innerhalb von nur zwei Jahren zahlreiche Parzellen an Mitglieder des exklusiven Herrenclubs „Club von Berlin“ – und das, obwohl kaum eine der Parzellen kleiner als ein preußischer Morgen (rund 2.550 Quadratmeter) war. Unter dem Einfluss der Geschäftsleute, Industriellen, Künstler, Bankiers, Politiker und Wissenschaftler, die sich dort niederließen, entstand im Ortsteil Wannsee eine einmalige Kulturlandschaft, die in der Kaiserzeit und in der Weimarer Republik ihresgleichen suchte. Ab 1900 wurden viele der prunkvollen Villen mit Zentralheizung und Doppelfenstern ausgestattet – was zunächst als Sommerresidenz entstand, wurde nun für die meisten Eigentümer zum Dauerwohnsitz.

Trauriger Höhepunkt in der Geschichte des Ortsteils Wannsees war die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Auch sie zog es in diese Gegend. Joseph Goebbels, Albert Speer und Reinhard Heydrich zählten zu den bekanntesten Anwohnern. In der Straße Am Großen Wannsee, Nr. 56/58, steht jene Villa, in der am 20. Januar 1942 die Wannseekonferenz stattfand, bei der die Deportation und Ermordung der europäischen Juden organisiert und geplant wurde. Heute dient die Villa als Gedenk- und Bildungsstätte.

Ein attraktives Wohngebiet

An die glanzvolle Zeit des Berliner Großbürgertums und an die Bewohner der noblen Villen der Wannsee-Kolonien erinnern heute nur noch wenige Häuser und Gartenanlagen. Zwar blieb der Ortsteil von den Bombenangriffen und Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs weitgehend verschont, doch verfielen zahlreiche Gebäude nach Kriegsende. Die Unterhaltskosten der Villen waren sehr hoch, die Besitzverhältnisse teilweise ungeklärt, und manche rechtmäßige Eigentümer, die Wannsee in den Wirren des Krieges verlassen hatten, verkauften ihre Grundstücke an das Land Berlin. Dem Zeitgeist der 1950er bis 1970er Jahre folgend, wurden viele Villen abgerissen und durch Neubauten ersetzt. So musste beispielsweise auch die Villa Alsen, das Haus des Gründers Wilhelm Conrad, einer Appartementanlage und einem Hotel weichen.

Die neueren Wohnbauten im Ortsteil tragen der Gründungsidee Wannsees wieder vermehrt Rechnung. Zu ihnen gehören unter anderem das Projekt o.26 und die Wannseegärten. Direkt am Wannsee zwischen Conradstraße, der Kaiserstraße und der Straße Am Großen Wannsee liegt die Wohnanlage o.26, die aus 26 Häusern und 14 Eigentumswohnungen besteht. Die Wannseegärten befinden sich auf einem etwa acht Hektar großen Grundstück zwischen Wald und Wannsee. Das Projekt gilt als modernes Pendant zur prachtvollen Colonie Alsen, denn umgeben von viel Grün wurden zehn Landvillen mit 80 Wohnungen sowie sechs Doppelhaushälften errichtet. Das rund 30 Millionen Euro teure Projekt wurde 2011 fertiggestellt.

Mit seiner Mischung aus alten Villen und edlen Neubauten ist Wannsee auch heute noch eines der beliebtesten und teuersten Wohngebiete Berlins. Die Leerstandsquote liegt laut GSW/CBRE-Wohnmarktreport 2011 bei nur 2,3 Prozent. Das Prestige der Adressen, das meist hohe Ausstattungsniveau der Wohnungen und das grüne Umfeld schlagen sich auch in den Mieten nieder. Mit 8,25 Euro pro Quadratmeter liegt Wannsee deutlich über dem Berliner Durchschnitt von 6,11 Euro pro Quadratmeter. Da die Kaufkraft die fünfhöchste in Berlin ist, liegt die Wohnkostenquote mit 24,2 Prozent dennoch leicht unter der Gesamtberlins (24,4 Prozent).

Erholung pur

Die Einwohner schätzen ihren Ortsteil vor allem wegen der hohen Lebensqualität. Neben den hochwertig ausgestatteten Wohnungen und Häusern überzeugt Wannsee mit einer gut ausgebauten Infrastruktur und einer Vielzahl von Orten, die zum Erholen und Entspannen einladen.

Über die Autobahn und die Bundesstraße gelangen Pendler schnell in die Berliner Innenstadt und nach Potsdam. Der Bahnhof Berlin-Wannsee bietet einen direkten Anschluss an den öffentlichen Nah- und Fernverkehr. Mit der S-Bahn ist man in gerade einmal 15 Minuten am Bahnhof Zoologischer Garten und damit im Zentrum der Hauptstadt angekommen. Ein Stück besondere Lebensqualität bieten die Restaurants mit Seeblick und die Terrassencafés. Beim Segeln, Angeln, Spaziergehen, Baden, Joggen oder Radfahren können die Bewohner ihre Freizeit am Wannsee richtig genießen. Eng mit dem Ortsteil Wannsee verbunden ist das Strandbad Wannsee – auch wenn es eigentlich zum benachbarten Ortsteil Nikolassee gehört. Der Landschaftspark auf der Pfaueninsel lädt nicht nur Touristen zu Wochenendausflügen ein.

Eines der beliebtesten Ausflugsziele im Ortsteil Wannsee waren seit den 1930er Jahren die Wannseeterrassen. Diese brannten jedoch aufgrund eines technischen Defekts 2001 ab. 2006 erwarb ein Berliner Projektentwickler das 9.000 Quadratmeter große Grundstück am Wannseebadweg. Da das Gelände aber unter Naturschutz steht und der Senat komplizierte Bauauflagen hatte, scheiterte ein zügiger Wiederaufbau. Senat und Projektentwickler sind mittlerweile zu einer Einigung gekommen: Das neue Gebäude soll im englischen Landhausstil, umgeben von großzügigen Gartenanlagen, errichtet werden. Das darin befindliche Ausflugslokal bietet seinen Gästen auf der 100 Meter langen Terrasse einen Panoramablick über den Wannsee. Die Eröffnung der neuen Wannseeterrassen ist für den Sommer 2013 geplant.

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