„Niemand hat Freude an Fußgängerzonen mit Zahnlücken“ – Im Gespräch mit Jürgen Michael Schick

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Lange wurde der Einfluss der Corona-Pandemie auf den Immobilienmarkt diskutiert. Nun lässt sich zweifelsfrei sagen, dass der Immobilienmarkt nach wie vor heiß umkämpft ist. Dass dies aber nicht in allen Bereichen der Fall ist und wer der eindeutige Gewinner und Verlierer der Corona-Krise ist, erklärt Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes Deutschlands und Inhaber von Schick Immobilien.

Herr Schick, welche Immobilien gehören denn zu den Gewinnern und Verlierern der Corona-Krise?

Die klassische Wohnimmobilie, vor allem die selbst genutzte, ist der eindeutige Corona Gewinner. Bei den Kapitalanlagewohnungen, also den zu vermietenden Wohnungen, ist es ein Stück weit anders. Da sind die Preisanstiege nicht ganz so sprunghaft. Auch im Markt für Wohn -und Geschäftshäuser, wo wir ja zu Hause sind, ist das Marktumfeld freundlich, aber nicht mit diesem sprunghaften Preisanstieg. Warum? Weil da die hohen Preissteigerungen schon in der zurückliegenden Dekade stattgefunden haben. Und jetzt erhöhen sich die Werte so zwischen zwei und drei Prozent immer im Vorjahresvergleich.

Wie steht es um den Einzelhandel?

Der Einzelhandel wird mit strukturellem Leerstand zu kämpfen haben. Wir sehen in ganz vielen Lagen, nicht nur in den Kleinstädten, sondern auch in den Mittel- und in den Großstädten, dass sich da ein struktureller, langfristiger Leerstand entwickelt und wir gehen davon aus, dass sich das auch jetzt im Rahmen einer wirtschaftlichen Erholung nur schwer abbauen lässt. In vielen Lagen sind die Ladenmieten unter Druck.

Ambivalent ist das Bild bei Büroimmobilien. Wir haben zu Beginn der Pandemie gesagt, es wird keinen Rückgang der Attraktivität von Büroflächen geben. Und so scheint es ja auch genau zu sein. Also unsere Prognose: Das Büro bleibt weiterhin ein hoch attraktives Asset.

Warum sich der Off-market-Verkauf lohnt

Wir verkaufen Investment-Immobilien jenseits der Massen off-market und gezielt. Lesen Sie hier, warum sich das lohnt.

Welche regionalen Märkte gestalten sich nach Corona als besonders interessant?

Wir kennen uns natürlich besonders gut in dem Wohninvestment-Markt aus, in dem wir hauptsächlich zu Hause sind. Wir haben bemerkt, dass es neben den großstädtischen Märkten also Berlin, Hamburg, Köln, Düsseldorf, auch eine hohe Attraktivität von den sogenannten B – Städten gibt. Die Städte sind Leipzig, Dresden, Halle, Magdeburg und Hannover, aber beispielsweise auch weite Bereiche des Ruhrgebiets. Warum? Weil dort das Preis-Leistungs-Verhältnis für viele sehr attraktiv ist, und beispielsweise diese Märkte weniger heimgesucht werden von heißen wohnungspolitischen Diskussionen. Ein Grund übrigens, warum Schick Immobilien einen eigenen Standort in Niedersachsen eröffnet hat.

 Und was denken Sie, wie es mit den deutschen Innenstädten weitergeht?

 Das Wohnen in der Stadt bleibt natürlich, obwohl es einen Trend zum Wohnen am Stadtrand gibt, attraktiv für viele Bevölkerungsgruppen. Die zentrale Frage ist für die Innenstädte: Wie geht es dem Einzelhandel? Und das ist eine Frage, die vielen Menschen Sorge bereitet. Nicht nur den Einzelhändlern, sondern auch den Eigentümern und Kommunen. Niemand hat Freude an Innenstädten oder Fußgängerzonen mit Zahnlücken und keiner hat auch Freude an heruntergekommenen Fußgängerzonen. Was natürlich durch die Pandemie einen hohen Schub erfahren hat, ist das geänderte Konsumentenverhalten, welches sich ganz unabhängig von Amazon dauerhaft verändert hat. Dies bedeutet, der Bedarf nach Flächen wird kleiner. Die Verkaufsflächen werden kleiner, flexibler werden und eben auch in echten B- und C-Lagen entstehen. Da wird auch die Frage, wie man eine dauerhafte Umnutzung von Gewerbefläche hinbekommt, ein großes Thema. Im kleinstädtischen Bereich zum Beispiel werden diese Flächen zum Teil in Wohnungen umgewandelt, weil es den Tante-Emma-Laden wie früher in Zukunft weniger geben wird.

 Jetzt haben wir ja demnächst eine neue Regierung. Denken Sie, dass ich mit der neuen Regierung auch für den Immobilienmarkt einiges ändern wird?

Es kommt natürlich ganz entscheidend darauf an, ob es in der Wohnungs- und Immobilienpolitik ein „Weiter so“ gibt. Das heißt zum Beispiel das dauerhafte „Weiter so“ in der Regulierungsspirale, also der Konzentration der Politik auf die Verschärfung des Mietrechts. Oder gibt es eine Kurskorrektur zugunsten von mehr Neubau? Eine Kurskorrektur zugunsten aktiver Förderung von energetischem Umbau? Ich glaube, die Käufer, Verkäufer sowie die Mieter und Vermieter erwarten, dass es jetzt nicht alten Wein in neuen Schläuchen gibt, sondern ein echtes Umdenken. Dass wir nämlich die Probleme lösen, die es in Deutschland gibt, die sich hier artikulieren. Eben zu wenig Neubau, Wohnungsknappheit, steigenden Preisen in den Großstädten.

Warum lohnt sich es noch immer in Zinshäuser zu investieren?

Zinshäuser bieten Sicherheit in unsicheren Zeiten.  Also unser Spezialthema. Die Anlage in Sachwerte ist mit Dauerhaftigkeit und mit finanzieller Planbarkeit verbunden. Solange es so ist, dass es in Deutschland an Wohnraum aktiv mangelt und solange es so ist, dass neue Wohnungen sofort vom Markt absorbiert werden, bieten Wohninvestments tolle Chancen.  Jeder sollte sich genau fragen, worin er sein Eigenkapital investiert. Eine selbst genutzte Immobilie kann man halt nur einmal beziehen. In Aktien und Wertpapiere? Parallel dazu  bieten sich gerade Mehrfamilienhäuser größerer und kleinerer Art als eine sehr zukunftssichere, stabile Anlage für heute, für morgen und im Zweifel für die nächsten Generationen an.

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